Takt & taktlos: American Nightmares
Shownotes
In der aktuellen Ausgabe des Podcasts „Takt und Taktlos“ debattieren die Musikjournalisten Hanna Schmidt und Axel Brügemann über die zunehmende Spannung zwischen Kunst und politischer Realität. Im Zentrum der Diskussion stehen das kommende Lucerne Festival, provokante Bühneninszenierungen sowie die schwindende Unabhängigkeit des Kulturjournalismus. Für Aufsehen sorgt die Entscheidung des neuen Intendanten des Lucerne Festivals, Sebastian Nordmann, seine erste Saison unter das Motto „American Dreams“ zu stellen. Die Podcaster kritisieren diese Wahl angesichts der politischen Lage in den USA unter Donald Trump als „naiv“ und potenziell nostalgisches „Wokewashing“. Besonders die Aussage Nordmanns, das Thema nicht politisch diskutieren zu wollen, stößt auf Unverständnis. Angesichts katastrophaler Bedingungen für die freie Kunst in den USA sei ein unpolitischer Umgang mit dem „amerikanischen Traum“ eine „sozialdarwinistische Lüge“. Die Debatte beleuchtet zudem, wie die Realität die Kunst einholt. In Hamburg feierte die Oper „Monsters Paradise“ von Olga Neuwirth und Elfriede Jelinek Premiere, die einen Trump-ähnlichen Herrscher als „Riesenbaby“ karikiert. Während Schmidt darin eine Kunst sieht, die sich bereits in die Dystopie ergeben hat, diskutiert Brügemann über die Plakativität solcher Werke. Noch drastischer verlief die Premiere des Stücks „Katharina oder von der Schönheit Faschisten zu töten“ am Schauspielhaus Bochum. Dort kam es zu Tumulten und Handgreiflichkeiten, als Zuschauer versuchten, einen Schauspieler, der einen 15-minütigen Faschisten-Monolog hielt, von der Bühne zu zerren. Die Podcaster werten dies als Zeichen einer Gesellschaft, in der die Grenze zwischen künstlerischer Rolle und Realität verschwimmt, da das Bedürfnis nach antifaschistischem Widerstand im Alltag kaum noch Ventile finde. Stille der Hochkultur und Krise des Journalismus Brügemann kritisiert zudem die „Vakuumstille“ vieler Klassikstars gegenüber autoritären Entwicklungen. Während Rockgrößen wie Bruce Springsteen politisch Stellung bezögen, herrsche in der Hochkultur oft eine Art „innere Emigration“ vor. Parallel dazu wird die Prekarität des Klassikjournalismus thematisiert. Es gebe eine problematische Vermischung von unabhängiger Berichterstattung und bezahlter PR-Arbeit, da viele Journalisten mittlerweile direkt auf der Gehaltsliste großer Häuser oder Festivals stünden. Trotz der Abwanderung des Diskurses in soziale Nischen und PR-getriebene Formate zeigen sich die Autoren vorsichtig optimistisch, dass der kritische Diskurs in der „Nische“ überleben wird.
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