Guten Morgen Julien Chavaz!
Shownotes
Nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt warnt der Magdeburger Generalintendant Julien Chavaz vor politischem Druck auf Theater. Zugleich kündigte er an, den Spielplan weder vorsorglich anzupassen noch ein demonstratives »Widerstandstheater« auszurufen.
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00:00:02: Guten Morgen.
00:00:04: Die großen Themen der Klassik für den Weg zur Arbeit mit Axel Brüggemann.
00:00:10: Und was sind das nicht für bewegte Zeiten?
00:00:17: Wahlen in Sachsen-Anhalt, wahlen in Mecklenburg-Vorpommern.
00:00:21: Die Ergebnisse verraten vor allen Dingen eines die Extreme sind auf dem Vormarsch und die große Frage ist wo bleibt die Mitte und wie positioniert sich eigentlich die Kultur?
00:00:34: Besonders betroffen natürlich die Theater in Sachsen-Anhalt, in Magdeburg.
00:00:39: Seit Jahrzehnte und zwanzig ist hier der Schweizer Julien Chauat intendant und das mit ziemlich großem Erfolg!
00:00:48: Nicht nur dass sein Hausteater des Jahres wurde sondern was auffällt ist die Vielfältigkeit mit der dort Programm gemacht wird sowohl im Schauspiel als auch im Opernbetrieb.
00:00:59: da geht es um die großen Werke, da geht aber auch darum wirklich vor Ort zu verankern.
00:01:06: Ja, und jetzt wie geht das weiter?
00:01:07: Die AfD hat die große Mehrheit in Sachsen-Anhalt – vermutlich wird sie den ersten AfD-Ministerpräsidenten in diesem Bundesland stellen!
00:01:19: Und was bedeutet das für das Theater?
00:01:21: Julien Chavard hat schon vor der Wahl seinen Abgang aus Magdeburg bekannt gegeben aber erst im Jahr zwanzig acht.
00:01:28: dann wird er weiterziehen an die Oper nach Essen.
00:01:32: Aber jetzt erst einmal steht er der Realität im neuen Deutschland gegenüber und ich freue mich, dass er da ist.
00:01:37: Einen wunderschönen guten Morgen Herr Schawar.
00:01:39: Guten Tag Herr Bergmann!
00:01:41: Haben Sie eigentlich noch gute Laune nach den ganzen Wahlergebnissen?
00:01:45: oder muss man sagen das man auch in Sachsen-Anhalt in Magdeburg sagt?
00:01:49: Oh Gott oh Gott.
00:01:50: wie geht es weiter?
00:01:51: Also ich habe eigentlich sehr gute Launa.
00:01:54: Es ist so wer sich kämpferisch zeigt oder Wer kämpfrig unterwegs ist Der hat Ich glaube mindestens keine Zeit zu viel zu jammern.
00:02:06: Es ist so, dass wir haben zu tun mit einem Wahlergebnis was ein großes Problem oder große Bedrohung für die Existenz von unserem Theater in Magdeburg aber auch von allen Kultureinrichtungen in Sachsenal zu tun haben.
00:02:23: Aber ich habe trotzdem einen sehr aufgeschlossenes Haus die einfach Theater machen wollen und das ist das Schöne daran.
00:02:35: Sie sagen Kampfbereit.
00:02:36: Wo findet eigentlich dieser Kampf statt?
00:02:38: Also wir haben das ja schon ein bisschen öfter erlebt und es ist interessant, ich sehe das auch in Weimar bei Herrn Schwarz, bei Ihnen auch.
00:02:45: als an der Wand stand Achtung die AfD könnte gewinnen hat man sich erst mal langsam so'n bisschen vorgetastet und geguckt ob sich der Kampf lohnt, ob man wirklich um seine Rechte kämpfen muss.
00:02:56: Wir hatten das hier in Österreich übrigens auch Als diskutiert wurde auf die FPÖ den Kanzler stellt waren plötzlich alle Kulturbetriebe Und bei Ihnen scheint es auch so gewesen zu sein, dass sie sich erst einmal orientieren mussten.
00:03:13: Vielleicht kriege ich's aus der Distanz falsch mit?
00:03:15: Dass man eine Unsicherheit hat und erst mal guckt, kämpfe ich, diskutiere ich, wie weit gehe ich?
00:03:22: haben Sie das auch gehabt?
00:03:23: Es ist so, wir mussten uns dem ... politischen Kalender unterstellen sozusagen.
00:03:30: Also es ist so, dass zuerst einmal hat die AfD in Sachsen dann halt ein sogenanntes Regierungsprogramm im Frühling veröffentlicht und dann habe ich
00:03:40: den Schneider als kulturpolitischem.
00:03:42: ja sagt man brain?
00:03:44: Ja genau!
00:03:45: Und das ist jetzt die Person sich auch mit uns beschäftigt.
00:03:49: Das heißt wir hatten zum ersten Mal schwarz auf weiß.
00:03:53: Ich glaube das war mehr zu der April so Ein Regierungsprogramm, wo wir wussten in welche Richtung die AfD möchte einen Kulturkampf führen und sehr genaue Beschreibung wie sie sich die kulturelle Landschaft in Sachsen-Anhalt vorstellen.
00:04:14: Das heißt das war so ein Beginn.
00:04:17: Und dann das war ein Thema, was man bundesweit für Schlagzeilen gesorgt hat.
00:04:24: Also man hat über künstlerische Freiheit gesprochen und man hat konkrete Beispiele ernannt.
00:04:30: Man hat noch in Dessau das große wichtige Beispiel vom Bauhaus ernannte – ganz wichtig im Sachsen-Anhalt!
00:04:40: Und dann war es so, dass, sag ich mal die ganze Bundesrepublik aber auch international eine große Aufmerksamkeit gekommen ist.
00:04:48: Weil man hat zum ersten Mal in unseren Ländern sozusagen Frankreich Deutschland, Schweiz und so weiter sofort Ein Partei, die sagt sie möchte Theater oder Kultur auf Linie bringen.
00:05:03: Und das ist ein Novum für ganz viele Menschen und ich glaube es ist auch ein Novums für die Wählerschaft.
00:05:09: Meine Behauptung ist... Das ist natürlich nur meine Behauptungen, dass die Wähler schafft also die forty-fünf Prozent Menschen, die für die AfD gestimmt haben vor zwei Wochen haben das nicht unbedingt gemacht, um Kulturinstitutionen kaputtgemacht.
00:05:23: Das weil sie verärgert sind mit Migrationspolitik und Benzinpreis usw.
00:05:32: Unglaublich wichtig ist zu sagen Achtung, es kommt auch mit diesem Programm eine große Bedrohung auf Kultureinrichtungen.
00:05:38: Naja
00:05:39: man muss sogar sagen doch eigentlich dass die ganze Programmatik der AfD also auch das was wir gemeinhem politisch nennen tatsächlich ja im Gegensatz zu anderen Parteien einen kulturellen Unterbau hat.
00:05:51: Also ich würde sogar genau anders argumentieren und sagen die AfD ist die einzige Partei die sozusagen Politik aus einem Seudo-Kulturbegriff herausmacht.
00:06:01: Und das ist doch eigentlich das Entscheidende auch für sie als Kulturinstitution des Landes, der Menschen, der Leute vor Ort oder?
00:06:09: Genau es ist so.
00:06:11: man hat Parteien die vielleicht Kulturaffiner sind und ich glaube Menschen in dem ganzen Spektrum die mehr oder weniger kulturell affin sind oder die immer kulturelle als Priorität oder nicht Priorität betrachten.
00:06:26: Das ist so und das war immer so.
00:06:29: Es ist aber so, dass wir hatten bis jetzt nie zu tun mit einer Partei... Mit eine regierende Partei die uns gesagt haben liebe Leute, liebe Tatemacher, das weiß ich nicht!
00:06:40: Wir sind aus der Grünen und wir bitten ab jetzt einen ökologischen ökologischen Ansatz auf die Bühne zu präsentieren, weil man möchte diese Themen im Vordergrund stellen.
00:06:51: Das ist natürlich neu mit der AfD.
00:06:53: Die AfD möchte und will das auch umsetzen dass man sozusagen dieses patriotische Werte auf die bühne präsendiert.
00:07:03: und da natürlich reagieren die Kulturinstitutionen.
00:07:05: Sie lennen das ökonomische Zensur, weil der Erthildschneider auch im Vorwahl-Kampf gesagt hat.
00:07:10: Naja keiner denkt daran die Kulturinstitutionen zu bevormunden und den Spielplan einzugreifen.
00:07:17: Allerdings werden wir genau hinschauen wo die Gelder hinfließen.
00:07:21: also mit anderen Worten es ist natürlich eine Umwegzensur oder wie sie sagen eine ökonomische Zensus.
00:07:27: Wenn wir jetzt den Status quo anschauen in Sachsen-Anhalt Wir gehen davon aus dass dieses Bundesland dann zukünftig von der rechtspopulistischen Partei regiert wird, von der AfD.
00:07:39: Was sind denn da die Perspektiven?
00:07:41: Was erwarten Sie denn da konkret?
00:07:43: Es ist natürlich schwierig zu sagen weil es gibt noch keine Regierung.
00:07:47: Es wird natürlich eine große Frage zeichnen müssen auch die Behörden gewechselt werden um sag ich mal ideologisch mit der Partei zu passen?
00:07:59: Was wir aber wissen, ist das die Partei hat oder ein zukünftiger Kulturminister hat ökonomische Instrumente zur Verfügung.
00:08:08: Also in der Tat wäre es Verfassungs nicht konformd direkt in die Spielpläne zu stellen und das heißt bitte machen Sie die Traviata dafür nicht hittikarmen!
00:08:17: Das würde ganz schnell einen Richter sagen,
00:08:19: dass...
00:08:21: Genau, oder so ... Genau, Sie haben schon Ideen sehe ich.
00:08:28: Aber dafür
00:08:30: kann ein Nister sagen ja dass das Theater Magdeburg hat weiß ich nicht dreißig Inszenierung jedes Jahr.
00:08:39: wie finden das?
00:08:40: davon sieben zu links, zu walk, zu internationalistisch wie die AfD das sagt sind.
00:08:48: und wir kürzen dieses Prozentanteil von der Zuwendung weg.
00:08:54: Und das heißt, Sie wissen sehr gut was im Theater auf der Opernbühne Schauspielbühnen Balletts oder in der Philharmonie nicht gefördert wird findet auch dann nichts statt.
00:09:04: Wir sind kein privates Theater genau.
00:09:06: Das wegfallen bei achtzig Prozent festgesetzten Mitteln ist natürlich ein radikaler Einschnitt.
00:09:11: also jede Kürzung trifft sich ja sozusagen prozentual noch mal viel mehr.
00:09:15: es ist so und wir sind eigentlich muss man auch für die Zuhöhre und Zuhöhrerinnen sagen wir sind Eigenbetrieb der Landeshauptstadt Magdeburg Das heißt sozusagen mein Verwaltungsrat, also mein Theater-Ausschuss ist sind Menschen aus der Stadt.
00:09:32: Aber im Prozentansatz ist was wir vom Land erhalten schon fast ein Drittel von unseren Mitteln und wir reden über vierhundertvierzig Mitarbeiterinnen.
00:09:44: Ich lasse Ihnen die Umrechnung genau.
00:09:48: Sie haben einmal gesagt in einem Interview, Theater ist mehr als eine Inszenierung.
00:09:52: Es ist auch die Aufgabe einer Gesellschaft emotional zusammenzuhalten.
00:09:56: und wenn wir uns jetzt mal ehrlich machen und im Angesicht der Perspektive, die sie gerade genannt haben das Kulturpolitik tatsächlich auch eingreifen bzw bewusst es fördern kultureller Ideologien sein soll gehört zur Wahrheit nicht auch dazu dass diese Trennung schon längst stattgefunden hat.
00:10:14: Ich denke zum Beispiel, also eben doch das eine Claudia Roth als sie Bundeskulturministerin wurde auch gesagt hat wir fördern bestimmte Arten von Theatern und geben den Ehrgeld.
00:10:27: Also ist nicht das was unter Weimar und der AfD jetzt passiert eigentlich ein Back-Clash?
00:10:33: Ich will das gar nicht werten aber ich will sozusagen dem Bestand aufnehmen zu fragen Ist Kultur immer mehr zu einem Spiel bei der Politik geworden, weil eigentlich muss es doch so sein.
00:10:44: Sie müssen frei sein und egal ob sie deutsches Theater machen oder ökologisches Theater machen Oder wirtschaftliches Theater oder wird auch immer Arbeiter Theater das ist eigentlich erst mal ihr Bier.
00:10:56: Ja Ich würde das aus der Perspektive eines Stadttheater betrachten Weil man kann natürlich auf die Projektbezogene Unterstützung natürlich eine andere Perspektive betrachten, wo man einen Auswahl zwischen verschiedenen Projekten hat.
00:11:15: Und man kann sagen, man würde ihr unbedingt die Projekte fördern, die mit so einer politischen Botschaft kommen.
00:11:24: Wir sind aber ein Stadttheater, wir sind aber eine Kulturinstitution, die besonders in einem Stadt, also eine mittelgroße Stadt wie Magdeburg, wir reden von zweihundertfünfzigtausend Einwohnerinnen wo wir eine extrem dominante Stelle in der Stadt haben.
00:11:41: Es gibt bei uns nicht viele freie Szenen, Bühnen, Alternativtheater wie sie nicht in Wien oder Berlin in Magdeburg.
00:11:49: Das heißt, ich ab den Auftrag als Intendant wirklich die absolute große Breite von Bühneinhalte zu bedienen.
00:12:00: es geht vom populären Musical bis auf Open Raritäten Freudon wichtig sind.
00:12:08: Es geht vom Schauspiel, was mehr politisch sein kann zu Unterhaltung auf dem höchsten Niveau.
00:12:15: Wir bedienen in einem Theater wie das Fierspatzenhaus Theater Magdeburg absolut die große Bandbreite ohne nie.
00:12:21: Also ich hatte in den fünf sechs letzten Jahre noch nie so eine große künstlerische Freiheit und eigentlich
00:12:26: eine Vielfalt für die sie auch ausgezeichnet wurden.
00:12:28: Also das ist ja was jeder wahrgenommen hat in Magdeburg, dafür stehen Sie hier auch.
00:12:32: Die Unterschiedlichkeit der Sprachen, die unterschiedlichkeit der Formate, die Unterschiedlichkeit, die Diversität überhaupt des Programms.
00:12:39: Genau!
00:12:39: Und es ist auch so... Sie müssen sich das so vorstellen.
00:12:42: Ich glaube ein... also ich weiß nicht wie das bei meinen Kollegen und Kolleginnen Intendanten ist aber bei mir ist es nicht so dass ich denke ah lass uns weiß ich nicht diese Spielzeit auf diese politische Botschaft großem Druck machen und das lasst uns, weiß ich nicht, diese und diese Inszenierung machen.
00:12:59: Das funktioniert nicht so!
00:13:01: Man lädt Künstlerinnen und Künstlern ein Regisseur innen, ChoreografInnen die dann manchmal mit einer politischen Botschaft auf die Bühne kommen und es ist so dass die Theaterlandschaft eher eine progressive Grundweltanschauung hat.
00:13:17: Aber das ist in anderen Berufe, die auch wichtig für unsere Gesellschaft vielleicht eine andere Farbe haben und dass ich es eigentlich nicht schlimm finde.
00:13:24: Lassen Sie uns gleich nochmal auf die Ästhetik kommen.
00:13:26: Ich fasse jetzt mal zusammen.
00:13:27: Sie sagen sie in Magdeburg haben eigentlich bis jetzt keine politische Einflussnahme gespürt, sondern können ihr vielfältiges Theater machen wie sie wollen?
00:13:36: Jetzt gehen sie ja dummerweise erst zwei tausend achtundzwanzig nach Essen.
00:13:40: Das heißt wahrscheinlich trotz Landesverfassung in Sachsen-Anhalt, dass die sich so lange Zeit lassen können wie sie vorher eine Regierung geben.
00:13:47: Wie stellen Sie sich denn jetzt auf, wenn Druck ausgeübt wird?
00:13:51: Wenn auch finanzieller Druck oder wie Sie sagen ökonomische Zensur auf sie ausgeübt werden?
00:13:56: haben Sie da schon Vorbereitung getroffen?
00:13:58: Haben Sie da eine Strategie?
00:13:59: Also es gibt in Ihrer Frage mehrere Aspekte.
00:14:03: des Erste ist ich sage immer Ganz klar und ganz deutlich.
00:14:08: Wir arbeiten ohne Alternativprogramm, das habe ich seit immer gesagt wir arbeiten weder mit einem Programm oder im Spielplan.
00:14:15: was sage ich mal RFD Conformer wäre für die nächsten Spielzeit.
00:14:20: Sie müssen nie vergessen wir planen sowieso unsere Spielzeiten zwei bis drei Jahre im Voraus.
00:14:25: Das heißt also es funktioniert sowieso von Praktikabilität nicht.
00:14:30: Wir machen auch keine Alternativprogramme nach dem Motto O, lass uns jetzt Widerstandstheater machen.
00:14:35: So wie wollen einfach die Arter machen?
00:14:37: Wie es uns gefällt.
00:14:41: Das ist der erste Punkt.
00:14:43: Der zweite Punkt ist das würde eine AfD-Regierung versuchen ein Theater zu verpflichten, patriotische Inhalte auf die Bühne zu bringen.
00:14:54: Würde so ne Verhandlung nehmen wir an... mit der Landeshauptstadt stattfinden, weil eigentlich hat das Land keinen direkten Vertrag mit dem Theater sondern mit der Stadt.
00:15:05: Das heißt, das Land müsste es zu Staats zum Landeshauptstadt Magdeburg gehen und sagen liebe Leute wir geben gerne weiter in unsere vierzehn Millionen aber nur unter die Voraussetzung.
00:15:17: Und erst dann muss sich die Staat beziehungsweise der antierende Intendant Gedanken.
00:15:22: bin ich also wenn?
00:15:23: wenn so läuft bin ich die richtige Person um dieses Reaktionäresprogramm umzusetzen.
00:15:29: Aber das ist jetzt sozusagen viel warten und gucken was passiert, aber grundsätzlich haben Sie wahrscheinlich schon im Kopf dass sie sagen würden ja was wenn die von mir erwarten ich soll jetzt fünfmal Schiller- und dreimal Goethe spielen am besten keine schwarzen Menschen auf der Bühne und so dann würden sie wahrscheinlich schon auch sagen Essen ist auch schön
00:15:52: Ja also nein aber das aber ich würde auch einmal in die Öffentlichkeit gehen, das Publikum.
00:16:00: Wir hatten gerade vor zwei Wochen eine ganz interessante Termin mit meinen Kollegen aus der ganzen Bundesrepublik von den deutschen Bühnenvereinen.
00:16:11: Also Sachsen-Anhalt wird beobachtet in den nächsten Jahren jede Eingriff... in den Spielplan.
00:16:19: und ich rede jetzt nicht nur von den großen Spartenhäusern wie Magdeburg-Halle, aber auch von unseren tollen kleineren Bühnen.
00:16:28: Wie zum Beispiel in Stendal ist ein wunderbares Intendantin da aktiv.
00:16:34: also man wird jede Versuch uns einzuschrecken in die Öffentlichkeit tragen und sagen ja das ist was passiert.
00:16:43: wenn man so einen Programm umsetzt ist unsere Arbeit einfach wichtig, einfach zu sagen wie das konkret umgesetzt wird.
00:16:53: Gab es denn in diesem Vorwahlkampf eigentlich mal Kontakt?
00:16:56: Also ist das so dass da so ein Herr Tiltschneider oder sie bei ihm mal anrufen und sagen was plant ihr da eigentlich?
00:17:03: Gibt's da Diskussion oder redet man eigentlich immer eineinander vorbei?
00:17:07: Man redet eineneinander vorbei bis jetzt und es hat auch keinen Journalist Die Idee gehabt, diese zwei Personen direkt in Konfrontation zu bringen.
00:17:20: Es ist aber so.
00:17:21: die Umfragen waren seit Beginn vom Frühling sehr gut für die AfD.
00:17:27: man kann eine gewisse Siege-Sicherheit Gefühl wahrnehmen und das heißt direkte Übergriffe hat man nicht nicht gebraut.
00:17:36: Ich bringe jetzt eine kleine Ausnahme, Sie wissen es vielleicht auf unsere Schauspielbühne.
00:17:41: aber würden wir ein Stück vor drei Monaten aufgeführt oder uraufgeführt sogar was Wundestadt heißt und dieses Schauspielstück hat sich mit dem Terroranschlag vom zwanzigste Dezember vierundzwanzig beschäftigt also dieser Weihnachtsmarkt genau wo sechs Menschen ums Leben gekommen sind Und da gab es, sag ich mal ein kleines online Shitstorm von Facebook-Gruppe.
00:18:10: Da hat einmal die AfD unsere Lokale in der Stadt die Möglichkeit ausgenutzt eine parlamentarische Anfrage der Obergebührenmeisterin zu stellen nach dem Motto U ist das Der OB bekannt, dass man wird ein Stück über einen Terroranschlag machen.
00:18:31: Ist das nicht pietätlos?
00:18:32: und so weiter?
00:18:33: Das kennen wir ja auch aus Weimar.
00:18:35: Also in Weimar wurde es ja auch
00:18:36: ganz
00:18:36: klar Valentin Schwarz die öffentlichen Anfragen Demokratie herum finanziert das überhaupt.
00:18:42: also das sind ja schon die ersten Stiche wo man merkt Es ist nicht mehr lustig.
00:18:46: Ja, also es geht dann tatsächlich ums Eingemachte
00:18:48: Aber es ist nicht nur lustige aber es ist auch sag ich mal bis jetzt extrem stabil.
00:18:52: denn die staats unsere laut Am Landeshauptstaat meine beigeordnete Fulkultur ist in solchen Themen nie, also hat es nie eingeknickt und hat gesagt nein das ist richtig.
00:19:02: Und so ist gut abgewogen.
00:19:04: Es ist in Ordnung wenn Menschen denken es ist pietätlos und dann nicht zu Inszenierung gehen aber dass die Stadt ein Inszenierungsverbot ansagen würde Das ist natürlich eine komplett andere Geschichte und da müssen wir auch zeigen Künstlerische Freiheit steht nicht zur Debatte.
00:19:23: Was steht zur Debatte, ist ob etwas dem Publikum gefällt oder nicht?
00:19:29: Also ich fasse zusammen, es gibt in Nagdeburg auf jeden Fall kein Alternativprogramm für die Alternative für Deutschland und das kann man schon mal so sagen.
00:19:37: Auf der anderen Seite Herr Schawar, wenn wir über ihr Programm reden und auch über ihren innovativen Zugang zu Theater- und Theaterformen und der Erzählweise von Theatern ist es ja interessant.
00:19:49: Sie planen jetzt für dieses Jahr eine Oper über Intel also Intel der Hersteller von Computerchips die angesiedelt werden sollten in der Nähe von Magdeburg.
00:19:59: Sie haben zum Amtritt, glaube ich ein Stück über den FC Magdeburg also den Fußballverein gemacht.
00:20:06: Eigentlich könnte man ja wenn man kätzlich ist sagen hey was wollen die denn eigentlich mehr Homebound Theater und vor Ort verortetes Theater als sie machen?
00:20:19: Also regionales Theater kann man eigentlich gar nicht machen oder?
00:20:23: Ja also ich gebe Ihnen eine hundert Prozent recht Wenn eine neue Intendanz kommt und auch mit den Spartenleitungen und so weiter und sofort, es gibt verschiedene Arzttheater zu machen.
00:20:35: Man kann die Rezepte von damals importieren und meinen, man macht einfach das Gleiche wie man das in der vorigen Station gemacht hat.
00:20:43: Wir sind mir einen ganz anderen Ansatz vor sechs Jahren angefangen in Magdeburg Und haben wir gesagt, wir machen ein Theater, was zwar seine Internationalität und für die Internationalität der Stadt ein großen Erfolgsfaktor sein muss.
00:20:59: Das war auch mein Auftrag und deshalb wurde ich berufen sozusagen aber um seinen Erfolg und seine Aufmerksamkeit zu erreichen sich eben befassen wird mit den Themen, die die Stadt interessieren.
00:21:16: Sie haben tolle Beispiele ernannt und wir haben auch ein Stück über Tokyo Hotel, weil da sind so Jungs aus der Region kommen.
00:21:22: Da sind Menschen in die Schauspielproduktion gekommen, die sonst nicht ins Theater kommen.
00:21:28: Wir machen jetzt diese Intel-Opa.
00:21:30: Das ist eine tolle Geschichte, das ist immer ein bisschen mit diesen dramatischen Sequenzen, was Magdeburg zu erleben hat – also die Zerstörung im Fünfundvierzig, dann nach der Wende in der Neunziger so viele Menschen, die demografisch weggegangen sind.
00:21:47: Also es ist ein großes demografisches Loch.
00:21:49: und jetzt noch als ich angefangen hatte, dreiundzwanzig hatte man diesen Riesen also den Milliardenprojekte Intel wo man hat gesagt ja also jetzt wird Magdeburg zu Neues San Francisco usw.
00:22:03: und dann wurde genau im Osten Und dann wurde Trump gewählt und hat sich die ganze Investitionspolitik sowieso für den USA.
00:22:14: Dann hat das Projekt gescheitert, jetzt ist es ein Ackerfeld mit Hamster.
00:22:19: Ich finde das so poetisch und schön!
00:22:23: Die Geschichte und auch die Illusionen, die damit verbunden waren.
00:22:27: Die große Debatte... Jetzt gibt es einfach Hamster auf einer Ackerwiese.
00:22:33: Uns entschieden, wir machen jetzt... Also das ist eine Operngeschichte und wir machen einen Open daraus.
00:22:37: Ja aber das ist glaube ich auch etwas wo wir... Ganz wieder dahin kommen, was interessiert die Menschen eigentlich und worüber reden sie?
00:22:44: Und was kann Kunst eigentlich an Sinnlichkeit schaffen.
00:22:46: Ich hatte das in Neustrelitz, die die Entführung gemacht im Dönerladen da auch gemerkt.
00:22:51: natürlich sind überall vom Dönaladen umgeben.
00:22:53: es gibt den Neustrellis mehr Döneladen als deutsche Restaurants.
00:22:55: ja ich glaube diese Anknüpfungspunkte an die Region die sind ganz wichtig geworden.
00:23:00: auf der anderen Seite haben Sie eben selbst schon gesagt leben wir in einer Welt in der Politik der Kultur ein wenig die Mittel geklaut hat.
00:23:09: Also man weiß ja gar nicht mehr, was ist jetzt die größere Inszenierung?
00:23:12: Donald Trumps Regierungsstil oder das Schauspiel am Theater Magdeburg?
00:23:18: also wer ist da eigentlich der bessere Illusionist, wer kann da besser inszenieren?
00:23:24: wie reagiert ihr Theater, wie reagieren sie auch als Regisseur auf eine Welt in der die Inszenierungen längst zur neuen Wirklichkeit
00:23:34: geworden ist?
00:23:35: mit Poesie, weil ich denke sie haben komplett recht.
00:23:39: Die politische Welt hat uns sozusagen die Inszenierungsqualität oder Inszenierungprinzipien geklaut oder ausgeliehen.
00:23:55: Lass uns versuchen positiv zu sein.
00:23:57: aber was Sie nicht aus der Theaterwelt bis jetzt klauen konnten ist die Poesi.
00:24:05: Sie haben die Angst genommen und die Poesie uns zum Glück gelassen.
00:24:08: Genau, ich glaube dass die Magie, also Theaterzauber das körperliche bei mir auch ein ganz großen wichtigen Theateransatz in der unser heutige Bildschirmzeit, also das Körperliche, das Erlebbare, den Schweiß, dieses physikalische Wechselbeziehung zwischen eine Bühne und ein Publikum, das wird niemand klauen können.
00:24:38: Und da werden wir stärker bleiben.
00:24:43: was sie auch nicht von uns klauen kann ist die Möglichkeit einmal für drei Stunden anderswo zu sein.
00:24:51: also dass es eben ich glaube umso digitaler und verrückter unsere Welt umso mehr werden wir uns auch brauchen als ein Ort.
00:25:00: Es ist also wie einen Waldspaziergang, wo Menschen nicht mehr weg von der Wohnung gehen.
00:25:05: Es wird so in einem Luxus, es wird zu etwas, wo man vielleicht sogar dafür bezahlt, um einen Wald-Spaziergang zu machen und glaube... Das
00:25:12: ist interessant dass das sagen wir vom Fernseher immer wenn wir das heute schon halt sehen warum wählen die Leute so?
00:25:17: Und unsere Meinung ist auf dem Sofa sitzen Auch die gehen zu wenig ins Theater und die gehen Zu wenig spazieren.
00:25:23: Also wer nur aus Handy guckt verfällt halt auch diesem Wahn der politischen Inszenierung.
00:25:30: Aber schauen Sie, es gibt, sie können bestimmt, oder die Zuschauer und Zuhörerinnen kennen bestimmt viele Menschen, die sich einen Rund gekauft haben.
00:25:38: Und dann sie fragen warum haben wir uns sicher ein Rundgekauft?
00:25:42: Dann kommt auch die Antwort ja das ist für mich natürlich eine schöne Ausrede, zwei Stunden jeden Tag draußen zu sein.
00:25:51: Also ich glaube und Menschen kaufen sich auch Theaterkarten weil sie wissen das ist noch eine der letzte Ort auf der Welt, wo man sein Handy ausschaltet.
00:26:02: Und seinen Hund nicht mitnehmen darf?
00:26:03: Aber das müssen wir schon wieder fertig schalten.
00:26:04: Genau!
00:26:05: Also mindestens nicht in Magdeburg.
00:26:07: Aber ich sehe dass auch es scheint ja auch ein Trend zu sein und Theater scheint sich da ja auch neu zu sammeln und zu formieren.
00:26:15: also wenn ich Inszenierung zum Beispiel von Tobias Kratzer oder sowas seh das ist sehr empathisches Theater ein umarmendes Theater kein Publikumsbeschimpfungstheater mehr.
00:26:24: Sie habe einmal gesagt, dass Theater auch eine Gegenmacht ist.
00:26:27: Wenn ich sie jetzt richtig verstehe definieren sie gegen Macht aber nicht als gegen die Politik oder gegen die Ideologie oder gegen irgendwas sondern eigentlich gegen unsere Art zu konsumieren...
00:26:41: Oder gegen unsere art Geschichte zu erzählen.
00:26:45: also man hat Trump erwähnt die alle diese Menschen, die sich selbst inszenieren.
00:26:53: Man hat auch einen sehr besonderen Art entwickelt Geschichte zu erzählen.
00:26:59: also Politiker sind zum Erzähler geworden und ich glaube wenn man sagt Theater ist seine Gegenmacht es ist eine Gegenmarkt in der Sache das im Theater schreibt man die Geschichte oder erzählt man die geschichte nicht mit dem Ziel die Menschen eben für sich zu gewinnen oder ideologisch zu gewinnern, sondern einfach eine andere Perspektive zu geben.
00:27:27: Und das kommen wir zurück auf die Poesie, weil die Poesi ist einfach dassgleiche die gleiche Emotionen bekommen aber auch in einer anderen Art und Weise.
00:27:39: Das ist wichtig für die Seele.
00:27:41: wenn wir nur noch unsere tagtägliche Aktualität durch Post von Trump oder von, wer weiß ich nicht auf TikTok konsumieren.
00:27:52: Dann verstehen wir die Welt nur noch von einer extrem dünnen Perspektive.
00:27:57: Was ja auch so sein soll sehen wir selbst in politischen Kommentaren.
00:27:59: Es fällt mir immer bei den Podcast-Kolleginnen und Kollegen auf die jeden Tag über Politikpodcasten.
00:28:04: also man ist dann ja auch in so ner Bubble drinne und wenn ich das richtig verstehe ändert sich das Theater damit Einstmals formulierten pädagogischen Anspruch also nicht mehr pädagogisch und auch nicht ideologisch, sondern die Poesie.
00:28:18: Und deshalb lassen Sie mich zum Schluss fragen Herr Schauer wie kann denn die Poeisi uns verändern?
00:28:25: Was bewirkt sie denn?
00:28:27: Mehr Empathie, mehr Verständnis für die Andersheit der Menschen?
00:28:36: Wir werden einfach als Mensch größer, wir würden einfach als Menschen komplexer.
00:28:42: Wir werden menschlicher.
00:28:45: Ein Mensch ist mehr als ein Konsument, ein Mensch ist jemand der... braucht in jeder von seine emotionale Schubladen einmal berührt zu werden.
00:29:00: Und es ist wie Reisen, oder?
00:29:03: Diejenigen die gereist sind, diejenigen, die eine andere Sprache einmal gelernt haben.
00:29:08: Diejenigen, was sich nicht in Afrika oder in Asien oder Amerika waren, sie kommen zurück und sind dann bereichert.
00:29:16: Sie verstehen das eigene Land oder die eigene Stadt mit einer interessanter Brille, eine komplexere Brille und wir sind auch da um immer zu erinnern.
00:29:30: Die Welt ist viel komplexer, ist manchmal auch viel schöner als die sehr vereinfachte Geschichte, was uns die Politik versucht zu erzählen.
00:29:41: Und manchmal gibt es auch Offenheiten, die man gar nicht erklären kann dann in der Poesie einfach offen bleiben.
00:29:45: Ich finde dieses Kitschige und das meine ich ganz positiv plädoyer für die Kunst – das sollten wir erstmal bewahren!
00:29:51: Und bis zum Jahr zwanzig sind sie ja noch im Markt de Bourg und
00:29:55: halten
00:29:55: die Stellung der Poesy.
00:29:57: Ich danke Ihnen ganz herzlich für das Gespräch und wünsche Ihnen ganz viel Glück in den nächsten Tagen, Wochen.
00:30:03: mal sehen, was da alles herauskommt.
00:30:04: Vielen herzlichen
00:30:05: Dank Herr Schader.
00:30:06: Tschüss, Tata.
00:30:07: Danke!
00:30:10: Das war ja der Podcast von Backstage Classical für tägliche News aus der Welt der klassischen Musik.
00:30:16: Schott doch einfach bei uns vorbei auf www.backstageclassical.com und wenn ihr Kommentare Anregungen, Ideen oder auch Beschwerden habt dann schreibt uns doch einfach unter redaktion at backstageclassical .com.
00:30:31: Wir lesen das natürlich sehr genau und werden das auch in unsere Arbeit einbeziehen.
00:30:37: Wenn ihr Lust habt und mehr hören wollt, dann abonniert diesen Podcast.
00:30:41: Denn dann hören wir uns schon bald wieder!
00:30:44: Ich freue mich drauf, macht gut, haltet die Ohren steif.
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