DIE KRITIK: Macbeth in Hamburg

Shownotes

Die Hamburgische Staatsoper verspricht mit Tobias Kratzers neuem »Macbeth« einen finsteren Machtkrimi. Auf der Bühne wird daraus eine royale Telenovela im Teppichboden-Wohnzimmer. Und im Graben? Verdi mit Friesennerz und einer Portion hanseatischer »Italjanitah«.

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00:00:04: Die Kritik bei Backstage Classical.

00:00:11: Ja, ich komme gerade zurück aus Hamburg wo Tobias Kratzers Macbeth also wer dies?

00:00:16: Macbheth natürlich in der Inszenierung von Tobias Krazzer über die Bühne gegangen ist.

00:00:22: Der Saisonauftakt der hamburgischen Staatsoper.

00:00:25: ja und hier ist was geschrieben haben bei Backstages Classical Macbeth trifft Mack Geitz von Axel Brückemann.

00:00:34: Die Erwartungen wurden mit einem nackten Mann geweckt, fotografiert bei Nacht als er sich an einen dürren Baumstamm klammert.

00:00:42: Man konnte schon etwas skeptisch werden, als sein kleiner Ding-Dong im Laufe der Kampagne einem großen schwarzen Balken weichen musste aber auf dem Bild das die hamburgische Staatsober in den ganzen Stadt plakatierte wurde Neugier auf Macbath geweckt.

00:00:59: Werdies Oper als Nachtgeschichte eines mörderischen Königspaares das dem Wahnsinn nahe im Wald von Burnham abhängt.

00:01:09: Am Ende, so viel sei ge-spoilert war das Ergebnis ein bisschen wie wenn man nach einer iPhone Kampagne ein graues Wildscheibentelefon aus der Verpackung holt.

00:01:18: Intendant und Regisseur Tobias Kratzer mag sich – und das ist ja auch aller Ehren wert gedacht haben – große Theatermaschinerie Bei Reuter Tannenhäuser oder im Hamburger Monsters Paradise, ja das kann jeder.

00:01:32: Warum nicht mal wieder Back to the Roots?

00:01:36: Theater als echtes Theater – ein ausgerollter Teppich, ein Spiegel, ein Holzstuhl und fertig ist das königliche Wohnzimmer!

00:01:44: Der Rest ist Spiel-, Musik- und Imagination Und so ist Kratzer's Macbeth Experiment Wohl nur zum Teil der neuen MacGuides-Politik in Zeiten von Kultursparmaßnahmen geschuldet und viel mehr der Neugier eines Theatermanns darauf, das Abenteuerbühne wieder zu spüren.

00:02:04: Shakespeare's Königstrama spielt sich in Hamburg in einer großen düsteren Holztreppenkonstruktion ab – und ja ganz ohne Theaterdonner, der hier in Form eines imposanten Regens im Gegend Licht aus dem Schnürboten plätschert….

00:02:18: Ohne diesen Theater Donner!

00:02:20: geht es bei Kratzer dann eben doch nicht.

00:02:22: Chor und Statisten lungern Omni präsent in schwarzen Klamotten mit ausladenden Gesten in der Szene herum, die Anzahl der Toten auf dem Boden wächst gewaltig.

00:02:32: Kreise Könige verhassten Nebenbuhler und Kinder, die im Wege stehen.

00:02:37: Am Ende singt gar ein Großteil des geschundenen schottischen Volkes dahin.

00:02:42: Kratzern inszeniert Werlichsober trotz all der Köre als Kammerspiel – als Soap Opera oder besser?

00:02:49: als royale Telenovela.

00:02:53: Zentrum ist besagtes Teppichboden Wohnzimmer, in dem die moderne Familie als Idyll stattfindet.

00:03:00: Mama bastelt dem Kind eine Papierkrone mit Prittstift und Papa rollt das gelbe Spielzeugauto durch die Gegend.

00:03:08: Blutrünftig wird es erst wenn Muttern ihr Glitzerkleid überstreift im Kind die Ohren zuhält und Pappers Machtgelüste anheißen.

00:03:16: In jedem Spießer steckt eben auch ein Königsmörder oder in jedem Shakespeare auch ein Ibsen.

00:03:24: Es gibt durchaus lyrische Momente, wenn Macbeth von der Tribüne auf den Teppich schaut wo er sieht wie glücklich sein Leben ohne Morde hätte verlaufen können oder wenn die Prophezeiung aus den Mündern von Hexen kommen, die Macbath und seiner Frau ähneln.

00:03:39: Und auch auf die Ponte.

00:03:40: dass der neue König Merckham am Ende einen neuen Konkurrenten bekommt und alles wieder von vorne beginnt verzichtet Kratzer natürlich nicht.

00:03:47: Er lässt Philancio, den Sohn Bankus zunächst in einem gelben Kinderregenmantel fliehen und im Finale dann in einem ausgewachsenen Ostfriesenerz wieder erscheinen.

00:03:58: Das ist alles gut gearbeitet, kamerspielhaft gedacht und klug in die große Kulisse gepflanzt auch wenn man allein wegen der Werbekampagne bis zum Schluss vergeblich auf die große verblüffende Wände oder den genialen Perspektivenwechsel wandelt.

00:04:15: Und ein derartig sparsames Konzept, bürgt natürlich immer auch ein Risiko.

00:04:21: Es steht und fällt mit dem Personal und der musikalischen Spannung.

00:04:25: Karthal Karagadijs und Nino Matschadeitze schaffen es nicht immer wer dieses große Dramatik als Mörderpaar auch stimmlich zu füllen.

00:04:34: ihn fehlt am Ende auf die Kraft zur Ausformulierung der großen Bögen und Gedanken.

00:04:44: In Macduff's Große Aria, ah!

00:04:46: La Paterna Mano wird deutlich dass es vielleicht auch gar nicht an den Stimmen lag sondern eher am Dirigat.

00:04:53: Es ist fast schon amisant das Dirigent Thomas Harnus an diesem Abend so etwas wie einen radikalen Gegenpol zu GMD Oma Meyer-Welber darstellt.

00:05:03: Während der eine sehr gern durch die Partituren rast bleibt bei Harnuss die Musik zuweilen einfach im luftleeren Raum stehen….

00:05:12: Langsamkeit erzeugt hier aber keine Spannung.

00:05:15: Es fehlen die mystischen Farben, die Soli bleiben auf Blas und geben dem Orchesterklang unter.

00:05:20: auch Hannus bleibt damit das Versprechen des düsteren Machtkrimis eigentlich schuldig.

00:05:26: Er spielt kaum mit den zwischenweltlichen Changes aus Astur und Asmoll nagelt die instabilen Übergänge allzu fest in den Orchestergraben und missversteht das Stück trotz viel Attacker irgendwie als plätschende Nummernoper.

00:05:41: Der typische Verdi-Puls pocht sehr gleichmäßig, wenig Spannung im Hexen sechs Achtel und selbst in der Schlafwandler Szene mehr Rhythmus als Zeitfluss.

00:05:52: Kratzas Kamerspiel verlangt die Entwicklung der großen Gedanken und der farbigen Indifferenz in der Musik.

00:05:59: doch an diesem Abend plätschert nicht nur den Regen aus dem Schnürboden sondern auch sehr hanseatische Italianita aus dem Orchestergraben auf die Bühne.

00:06:10: Kontrabassi, folgt mich!

00:06:12: Oh, Korpo d'undiusche.

00:06:15: Schämoniu!

00:06:17: Das war die Kritik von Backstage Classical.

00:06:20: Wenn ihr Interesse an Themen aus der klassischen Musik habt, ja dann folgt uns doch.

00:06:25: das würde uns sehr freuen!

00:06:26: Dann verpasst ihr kein Interview mit den Movers und Shakers aus der Welt der Klassischen Musik natürlich auch keine Kritik.

00:06:35: ganz besonders freuen wir uns auch wenn ihr ein Like da lasst.

00:06:38: das hilft uns wie ihr wisst immer im Ranking.

00:06:41: wenn ihr Fragen oder Anregungen habt dann schreibt uns doch.

00:06:44: Redaktion at Backstage Classical.com.

00:06:47: Wir freuen uns auf eure Kommentare, haltet die Ohren steff.

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