Guten Morgen Max Emanuel Cenčić

Shownotes

Am 4. September beginnt Bayreuth Barock. Intendant und Sänger Max Emanuel Cenčić über Händel, Sex, Macht und das Glück des Leidens. Kaum ist Wagner in Bayreuth verklungen, geht es weiter: Am 4. September beginnt Bayreuth Baroque – und der Intendant will zeigen, dass Barockoper sehr viel mehr mit unserer Gegenwart zu tun hat, als mancher glaubt.

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00:00:02: Guten Morgen!

00:00:04: Die großen Themen der Klassik für den Weg zur Arbeit mit Axel Brüggemann.

00:00:09: Einen wunderschönen guten Morgen.

00:00:10: heute ist Montag, der einund dreißigste August und endlich endlich endlich sind wir zurück aus dem hoffentlich für euch auch wahnsinnig erholsamen Sommerferien zu Ende gegangen sind.

00:00:22: auch die Festspiele in Salzburg und die Wagner Festspiele in Bayreuth, die einhundertfünfzigsten.

00:00:28: da haben wir ziemlich viel berichtet Und Bayreuth kommt einfach nicht zur Ruhe.

00:00:33: Denn da geht es jetzt sofort weiter mit Bayreut Barock, dem Festival für Barockmusik das vor sieben Jahren vom Sänger und Regisseur Max-Emmanuel Czensic erfunden wurde!

00:00:46: Das Festival, dort vom vierten bis zum dreizehnten September aufgeführt wird eine ziemlich vergessene Oper von Georg Friedrich Händel aus den frühen Londoner Jahren Floridante.

00:00:58: und über all das möchte ich jetzt reden mit Maxi Manuel Czensic.

00:01:02: Einen wunderschönen guten Tag!

00:01:03: Hallo hallo

00:01:05: Wie sieht es aus in Bayreuth?

00:01:07: Die Nervosität steigt.

00:01:08: oder sagt man beim siebten Mal ach komm ich kenne das alles easy going?

00:01:12: jetzt?

00:01:12: Ja, mittlerweile ist es schon easygoing.

00:01:16: Im siebten Jahr – das verfliegste siebente Jahr – ist an sich besser als man sich denkt weil wir haben ein bisschen mehr Probenzeit gehabt im Sommer und das hat allgemein etwas mehr Entspannung gegeben dadurch.

00:01:32: Wir sind gestern sehr gut durchgekommen und heute ist der zweite Akt dran.

00:01:38: also das geht

00:01:39: gut!

00:01:40: Es geht voran.

00:01:41: Sagen Sie, das ist ja auch eine Wahnsinns-Idee eigentlich gewesen.

00:01:43: Ich meine ausgerechnet Bayreuth.

00:01:45: normalerweise verbindet man das als Opernmensch erst mal mit Richard Wagner.

00:01:49: die Bayreuther Festspiele der Hundertfünfzigsten sind zu Ende.

00:01:52: Vor sieben Jahren haben sie gesagt ne natürlich gibt es da auch noch dieses andere schnuckelige kleine Theater in bayreuth dass eigentlich viel wichtiger und viel älter ist prädestiniert ist.

00:02:03: Wie war das eigentlich, als sie nach Bayreuth gekommen sind?

00:02:05: Sind Sie damit offenen Armen entfangen worden oder war das ein großer Kampf eine Heimat für Bayreut-Barock zu finden?

00:02:11: Ich war in Bayreute schon Anfang zweitausend, als es hier das Festival Bayreud Barock mit CK gegeben hat und damals hat das ja die Stadt Bayreutz selbst organisiert also das Kulturamt.

00:02:27: Und damals hat Bayreuth-Barock diese Laphitaninfa eingekauft und wir sind über das Wochenende nach Bayreut gekommen und haben diese Oper hier aufgeführt.

00:02:37: Seitdem kenne ich ja das magreffliche Opernhaus, nur dann war es so dass man das Opernhaus zehn Jahre lang zugemacht hat für Restaurierungen Bei der Eröffnung des magreiflichen Opernhauses, im Jahr ist es aus dem Jahr, dass man eine szenische Hasse-Oper zeigen wollte.

00:02:58: Ich hatte durch Zufall Siroe von Hass sehr erfolgreich inszeniert bei den Festspielenden Athen die ich noch am Lager hatte.

00:03:08: Das war ein sehr großer Erfolg und Darauf basierend kam ich ins Gespräch mit Herrn Doktor Lukas von Festival Musiker und auch mit dem Kulturamt und Bürgermeister.

00:03:21: Und eigentlich eine gute Idee, dieses Festival wieder... Also aufleben zu lassen.

00:03:28: Vor allem mit dem neuen Haus, oder?

00:03:29: Wenn so ein neues Haus renoviert, da steht ... Es ist auch super, wenn das mit dem Thema bespielt wird für, dass es eigentlich mal errichtet wurde.

00:03:37: Alle

00:03:37: mal und vor allem man muss ja eines bedenken.

00:03:40: Zu dem Opernhaus im Redutenhaus.

00:03:43: daneben hat man jetzt ein Theatermuseum gemacht sehr aufwendig restauriert ganz tolle Ausstellung mit vielen interessanten historischen ... Exponaten und die gesamte Theatergeschichte und Operngeschichte Bayreuth darstellt.

00:04:02: Und das Opernhaus ist quasi ein Teil dieses Museums, also und das Opernhaus selbst ist natürlich schon etwas ganz was besonderes weil es ja eines der ganz wenigen Bibiener-Opernhäuser existieren.

00:04:18: Es ist komplett aus Holz und für die damalige Zeit auch recht groß, also wenn man bedenkt zum Beispiel dass das Versailles ja auch jetzt nicht wahnsinnig viel mehr Plätze hat als Bayreuth dann müssen wir sich das vorstellen, dass das schon für die Damaligezeit und bayreuth war ja sehr klein schon enorm ist.

00:04:39: Und daher kam natürlich dann die Idee wo ich gesagt habe Leute, ihr müsst wieder dieses Festival auferstehen lassen.

00:04:47: Das war eine tolle Idee!

00:04:49: Man muss wirklich eine Reichweite damit

00:04:52: erzielen.".

00:04:52: Irgendwie

00:04:53: scheint das Barock in den letzten zehn, fünfzehn Jahren zurückgekommen zu sein und auch eine Lebendigkeit auszustrahlen, eine Spielfreude auszustrailen... Ich frag mich, woran liegt diese neue Begeisterung an der Barockoper gerade?

00:05:09: Thema auf der Agenda dieses Jahr Chaos und Ordnung.

00:05:12: Und wenn ich mir überlege, was diese Barockoper ist mit der man ja relativ frei umgehen kann die immer von diesen Extremen lebt, die diese großen Gefühle hat, die eigentlich auch diese Welt immer am hysterischen Ende sieht... Ist das etwas, was gerade jetzt in unsere verrückte Zeit genau reinpasst.

00:05:34: Dieses eclectizistische, diese freie Form eben nicht dieser Oper des neunzehnten Jahrhunderts die von der Partitur von der ersten Seite bis zur letzten gespielt werden muss sondern Diese spielerische Form, dieses ekliktizistische, dieser Umgang, diese Freiheit in der Form.

00:05:51: Ist das etwas was Barock-Oper vielleicht auch für uns gerade wieder ansprechend macht?

00:05:57: Das kann ich nicht sagen.

00:05:58: aber was auf jeden Fall beobachte ist dass wir seit so zwanzig oder dreißig Jahren eine sehr starke Aufstückelung das musikalischen Geschmacks haben.

00:06:17: Sagen wir mal so, ich vergleicht das ein bisschen mit der Popmusik.

00:06:21: Vor vierzig Jahren hieß es ja, es gibt Unterhaltungsmusik und es war einfach alles Unterhaltungsmusik.

00:06:28: Und heute gibt es Hip-Hop, Reggae, World Music, Elektronik Also die Selbstunterhaltungs Musik ist momentan komplett in Hundert verschiedene Genres aufgeteilt Und jedes dieser Genres hat eine eigene Marketingstrategie, eine eigene Gruppierung an Leuten die sich dafür interessieren.

00:06:52: Also das ist nicht mehr so.

00:06:54: ja keine Ahnung, Peter Alexander wollen jetzt alle hören

00:06:59: oder

00:07:02: Elvis?

00:07:05: absoluten Superstars.

00:07:07: Das gibt es einfach nicht einmal mehr in der Unterhaltungsmusik.

00:07:10: und das Gleiche findet man ja auch eigentlich in der klassischen Musik, also in der klassische Musik kommt es zu einer Fraktorisierung in Richtung vielen Nischenrepertoirs.

00:07:20: Also das gilt genauso für zeitgenössische Musik, für Baroquemusik, für experimentelle Musik und jeder dieser verschiedenen Bewegungen hat eben halt so seine eingefleischte Fangemeinde.

00:07:33: wo auch die Leute reisen und ich möchte noch dazu sagen ist der heutige Trend Die Menschen sind viel mobiler heute, zum Beispiel als vor dreißig Jahren.

00:07:43: Also man reist viel mehr und wenn Leute möchten mit Reisen aber auch etwas erleben.

00:07:49: also es geht ja auch um Gefühlserlebnisse, um spezielle Momente.

00:07:55: Das machen sie übrigens auch mit Dinner, mit Branches.

00:07:59: Sie laden die Leute ja wirklich zu ganz tägigen Erlebnestagen eigentlich.

00:08:04: Genau und das heißt da können Festivals extrem gut punkten weil sie eben diesen speziellen Moment dem Reisenden anbieten können.

00:08:17: und in diesem Fall speziell hier in Bayreuth Sagen wir, das Thema ist Barock-Oper.

00:08:22: Wir haben hier ein originales Opernhaus, das eines der schönsten der Welt ist, eine UNESCO-Weltkulturerbe.

00:08:27: Es gibt hier ganz tolle Schlösser und auch private Schlöße, wo wir kleinere Events organisieren, wo die Leute einladen.

00:08:40: von der gesellschaftlichen Begegnung pflegen möchten, damit die Menschen nicht das Gefühl haben sie sind jetzt gekommen sich eine Opa anschauen und dann war es das sondern es soll auch eine gewisse Begegenung sein.

00:08:52: Auch zwischen Künstlern und Publikum Auch innerhalb des Publikums soll der Dialog angeregt werden.

00:08:59: Was für eine Community

00:09:00: ist das?

00:09:01: Die Wagner Jana kennen wir ja in Bayreuth, wer sind diese Bayreut-Barock-Communitys?

00:09:06: Sind die alle so freaks wie Sie?

00:09:08: Sind das alles so durchgeknallte Leute, wie auf der Bühne auch stehen?

00:09:12: Was sind das für Leute?

00:09:13: Sind es besonders lebensfreudige, besonders zickige?

00:09:16: Wie würden sie die einschätzen, Ihre Korpublikum?

00:09:20: Also, also, achtzig Prozent unserer Besucher aus Bayreuth.

00:09:26: Also, achtzig Prozent kommen...

00:09:27: Das sagt ja erst mal noch nichts!

00:09:28: Durchgeknallte Leute gibt es überall,

00:09:30: ja?

00:09:30: Genau.

00:09:31: aber wir bekommen sehr viele Besucher aus ganz Deutschland und dann vor allem auch international aus Italien, Frankreich, Asien, Amerika und das ist ein Publikum, dass oft bestimmten Events nachreist.

00:09:49: Also die schauen sich zum Beispiel ein Jahreskalender an und dann buchen sie einen Jahr im Voraus Osterfestspiele Bartoli, Bayreuth-Barock oder Innsbruck Tage der alten Musik.

00:10:01: Und die reisen sozusagen im Laufe des Jahres immer zu diesen verschiedenen Events z.B.

00:10:07: Droppingholm in Schweden oder Versailles das Diopera Royal.

00:10:14: Weil eben Barockmusik nicht etwas Alltägliches ist.

00:10:19: Man kann es nicht jeden Tag an einem Stadteater hören und dann machen die sich halt einen Plan, wo sie halt jeden zweiten oder dritten Monat irgendwo hin verreißen und sich die unterschiedlichsten Produktionen anschauen.

00:10:35: Und es ist oft erstaunlich wenn ich mit dem Publikum ins Gespräch komme wenn sie mir dann erzählen, da war ich dort und da habe ich das gehört.

00:10:43: Und den habe ich entdeckt und dort hab' ich das

00:10:45: gehört.".

00:10:45: Und so.

00:10:45: Dann war ich bei den Telemann-Tagen... Die wissen manchmal

00:10:50: mehr

00:10:51: als

00:10:52: ich.

00:10:53: Sie haben jetzt gerade eine TZ in München Interview gegeben, wo sie auch gesagt haben.

00:10:58: Als Künstler muss man sozusagen ... Ich glaube, Julia Vara hat das als Erste gesagt.

00:11:04: Man macht entweder Kunst oder man hat ein Leben.

00:11:07: Ist es tatsächlich mit dem Barock scheint sich ja immer besonders zu verbinden?

00:11:11: Muss man sozusagen exzentrisch und aufs Ganze gehen, immer in dieser Oper oder der Kunst generell?

00:11:19: sind die jemanden Das Extrem auch sucht in der Musik, in der Kunst.

00:11:25: Und sind Sie enttäuscht vom Leben?

00:11:27: Dass es da gar nicht so extrem manchmal ist.

00:11:29: Leben sie lieber in der Oper vielleicht als in der Wirklichkeit?

00:11:33: Nein, nein, nein!

00:11:34: Ich glaube grundsätzlich das alles im Leben... Wofür man kämpft oder glaubt, dass man kämpfen muss hat einen Wert.

00:11:50: Egal ob sie Kunst machen oder irgendein normalen Job haben es ist immer die Frage was ist für Sie wichtiger?

00:12:01: Was ist die Nummer eins und zwei?

00:12:03: Viele Künstler, sei es jetzt Maler oder Komponisten oder Sänger oder so weiter haben natürlich diesen Hang ihre Arbeit an die erste Stelle zu setzen und das Wichtige eben oder ein sehr wichtiger Aspekt ist.

00:12:18: Wenn man Erfolg haben will in dem was man macht muss man halt eben die Dinge an erster Stelle setzen eine gewisse Prioritisierung machen und dann beginnen die Dinge sich auch dementsprechend zu entwickeln.

00:12:35: Für mich ist daher jemand, meine Einstellung ist ich Diener der Kunst und der Musik.

00:12:41: also das bedeutet eben halt dass für mich meine Arbeit schon an erster Stelle steht.

00:12:49: Sie reden auch über Verzicht und so was, ja ... Aber

00:12:53: wofür

00:12:53: denn?

00:12:54: Was ist das Ergebnis davon?

00:12:55: Ich verstehe das natürlich!

00:12:57: Das machen wir alle in Leidenschaft nicht so etwas machen.

00:12:59: Was ist sozusagen der Lohn, den sie dafür kriegen?

00:13:02: Glück

00:13:04: weil das ist etwas, was glaube ich in unserer Zeit nicht so ganz verstanden wird.

00:13:09: Und zwar leid und glück sind miteinander verbunden.

00:13:13: man kann sich nichts trennen.

00:13:15: Es ist halt nur so, dass natürlich in unseren christlichen Vorstellungen wir glauben, dass Glück eine Strafe ist und das Schmerz eine Straf ist.

00:13:30: Und Glück ist etwas von Gott gegeben.

00:13:32: aber das stimmt nicht sondern man muss leiden um Glück zu erleben.

00:13:38: also eine Frau muss ja auch leiden um ein Kind zu bekommen.

00:13:42: Wenn Raton Läufer muss zweiundvierzig Kilometer leiden, bevor er im Ziel glückert?

00:13:46: Genau!

00:13:46: Und das ist sozusagen ein universelles Prinzip des Lebens und das kann man nicht auseinandernehmen.

00:13:54: Das heißt diese Idee ich werde erfolgreich sein aber ich möchte chillen ist eben so ein bisschen das Problem unserer Zeit.

00:14:04: und dann sitzen all diesen verwöhnten Jugendlichen und Menschen heute und sagen, ich habe alles im Leben.

00:14:12: Aber ich hab nicht genug Zeit und ich bin deprimiert und mein Job zopft mich an und so.

00:14:18: aber sie verstehen eigentlich nicht das.

00:14:20: wenn man sich gewissen Dinge nicht komplett gibt und manchmal auch die Zähne zusammenbeißt und ein bisschen leidet dann ist tatsächlich Glück möglich.

00:14:28: ja und Glück und Leid ist nicht etwas was man wirklich auseinander nehmen kann.

00:14:34: und leid ist auch nicht unbedingt etwas Negatives, wenn es einer positiven Sache dient.

00:14:40: Es ist lustig, Christian Thielemann hat das in Bayreuth gesagt beim Pasiwall.

00:14:44: Sie müssen einfach vier Stunden lang leiten bevor dann irgendwann mal die Erlösung kommt und die wird umso schöner.

00:14:53: Lassen sie uns zum Schluss noch ganz kurz auf das Programm kommen?

00:14:56: Sie sind ja ein Wiederbeleber oder Aufstöberer von Werken, die nicht oft gegeben werden.

00:15:03: dieses Mal es ist Händel Fluridante wie so ausgerechnet diese in diesem Jahr?

00:15:10: Floridante ist eine sehr seltene Handeloper.

00:15:14: In dem Sinne, weil sie kaum wohl zu sehen oder zu hören war außer auf Aufnahmen aber scenisch gar nicht so weit ich weiß.

00:15:24: und wir haben eine Co-Produktion mit den Händelfest spielen in Karlsruhe Und selbst Karlsruhe hat...

00:15:32: Wo es das übrigens auch noch nicht gab, ne?

00:15:34: Ja.

00:15:34: Die haben das noch nie auf der Bühne gehabt.

00:15:36: Obwohl Karlshohe wirklich ein sehr renommiertes und traditionsreiches Handelfestival ist und die fast alle Händeloper schon auf der Bühne gehabt haben aber eben Floridante nicht.

00:15:49: Das war natürlich dann auch den Ausschlag in dem Punkt wo wir gesagt haben, dass man einen solchen Stück auf die Bühnen wiederbringt.

00:16:02: Das ist ja auch ein Stück, was wahnsinnig psychologisch ist.

00:16:07: Man sieht es nicht und steht da nicht im Libretto aber es geht tatsächlich bis zu Vergewaltigungsformen.

00:16:14: Also wird diese Hauptdarstellerin wirklich missbraucht Und das schon in Barock, in dieser Musik ist das hörbar.

00:16:26: Wie gehen Sie da mit oben?

00:16:27: Ist das eine Oper voller Leidenschaft, ist es ein Extrem gewesen was damals sehr mutig war.

00:16:31: War die Frühen Londoner Jahre glaube ich von Händel in der die Oper entstanden ist?

00:16:36: War das noch so eine experimentiert Zeit?

00:16:37: wie würden sie die einordnen die Oper?

00:16:40: Händl ist jemand der sich sehr stark mit der Frage auseinander gesetzt hat Was passiert innerhalb einer patriarchalen Gesellschaft, wenn der Mann die ganze Macht hat, die sexuelle Gewalt ausübt.

00:17:02: und wenn die Frau Nein sagt?

00:17:05: Was entsteht dann?

00:17:06: Und das ist sozusagen genau eine Frage.

00:17:10: die Händel offensichtlich seine ganze Karriere lang beschäftigt hat, weil wir dürfen eines nicht vergessen.

00:17:16: Händl ist in einer Zeit der Aufklärung aufgewachsen also in der frühen Aufklärungen und er war ja im Rom damals im Kontakt mit der Arkadischen Akademie, die sich gerade mit sehr vielen sozialen und psychologischen Nachfragen auseinander gesetzt hat.

00:17:34: Und der junge Händle hat damals eine sehr berühmte Kantate geschrieben Lallokrezia Und das ist ein Monolog von fünfzehn Minuten, wo Lucretzi nachdem sie von Tarquinus vergewaltigt wird einen fünfzehmennütigen Wilgen-Monolog hält und am Schluss beschließt sich umzubringen.

00:17:54: Und das vertrunnt alles der junge Händel.

00:17:58: Und dann später findet man noch viele Werke vom Händl, wo diese Thematik immer wieder zurückkehrt also Floridante Rodelinda Ezio, also die Stamerlano und dann auch in späten Jahren in seinem Oratorien zum Beispiel Susanna oder Seodora.

00:18:21: Ja, stimmt!

00:18:22: Also das ist ein ganzer Bogen wo immer wieder diese Thematik kommt sexuelle Gewalt Und die Frau, die Nein sagt.

00:18:32: Das setzt Händel immer wieder neu in unterschiedliche dramatische Fassungen und theatralische Darstellungen, die für mich ... wie ein roter Faden dienen, wo ich sage das ist jetzt nicht einfach nur ein Hirngespinst von Max Zentsic weil es sich darauf aufgeilt dass die Hauptdarstellerin da zweimal von ihrem Stiefvater vergewaltigt wird auf der Biene sondern weil es tatsächlich so im Text enthalten und auch von Handel gemeint ist.

00:19:07: In dem Sinne natürlich auch wahnsinnig modern ist, oder?

00:19:09: Und wieder was mit unserer Zeit zu tun hat.

00:19:11: Was ich eben gesagt habe diese chaotische Zeit dieser Versuch unsere Gefühle überhaupt in diesem Indie-Welt geworfen sein zu ordnen.

00:19:20: Noch mal Sie haben die Veranstaltung Chaos und Ordnung.

00:19:24: Was ist denn diese Barockmusik?

00:19:25: kann sie uns Ordnung bringen?

00:19:27: im Chaos?

00:19:29: Nein, das sicher nicht.

00:19:32: Aber was wofür ich meistens blediere ist dass man die Leseart dieser Barockopern besser verstehen muss.

00:19:41: ja Ich finde, dass die Barockoper einen sehr starken.

00:19:49: viele Vorurteile herrschen gegenüber der Barockopa aufgrund doch mangelnder Kenntnis und oberflächlicher Lesung der Leseart der Libretti.

00:20:00: Und das darf man so nicht sehen, weil viele Händelopern sind sehr moderne dramatische Stücke die eigentlich auch soziale politische und ökonomische Fragestellungen machen.

00:20:23: Im Vergleich zur Oper des neunzehnten Jahrhunderts sind diese Opern aus der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderte sehr realistisch.

00:20:34: Also wesentlich realistisch.

00:20:36: Ich hab zum Beispiel La Donna de Lago inszeniert und ich muss sagen, ich habe mir viel mehr schwer getan so was in Szene zu setzen weil wenn sie eine Szene haben mit fünfzehn Minuten wo einfach zwei Sätze ständig wiederholt werden da fragen sich dann irgendwann mal Was soll ich denn noch machen?

00:20:51: Ja bei der Operaserie ist es sehr einfach, weil sie haben diese enlange Rezitative die aber im Grunde genommen Theaterstücke sind mit lebendigen Dialogen.

00:21:02: Die Sie wirklich wie ein Theaterstück in Szene setzen können und die und die die Arien dauern sowieso nur drei bis fünf Minuten also die tun ja niemandem weh Aber es ist wesentlich komplexer.

00:21:17: Deswegen bewundere ich natürlich schon Regisseure wie Barry Koski, die sich hinstellen und dann aus solchen Stücken so wahre Zauberreihen machen können.

00:21:28: Ich also sowas verwundere total weil... Also ich persönlich finde das viel schwieriger als einen Barockoper zu inszenieren zum Beispiel.

00:21:39: Aber Sie sind im Barock und sie sind bei Händel und wir haben die Chance das zu sehen vom vierten bis zum dreizehn September Genau.

00:21:46: Man

00:21:46: kann pelgern, schließen sie sich der Community an und durchgeknallten Barock-Leute, die sich in Bayreuth finden.

00:21:54: Vielen herzlichen Dank Ihnen, dass Sie uns einen kleinen Einblick gegeben haben im Kosmos.

00:21:59: Die Welt ist chaotisch, wir können sie nicht ordnen, aber lernen, dass die Anstrengung und Schmerz vielleicht zu Glück führen?

00:22:06: Das ist doch immerhin was!

00:22:08: Vielen Herzlich Dank dafür und wir sehen uns in bayreuth.

00:22:11: Bis dann,

00:22:12: tschüss

00:22:16: Das war er der Podcast von Backstage Classical.

00:22:19: Für tägliche News aus der Welt der klassischen Musik schaut doch einfach bei uns vorbei auf www.backstageclassical.com und wenn ihr Kommentare, Anregungen, Ideen oder auch Beschwerden habt dann schreibt uns doch einfach unter redaktion at backstageclassical .com.

00:22:36: Wir lesen das natürlich sehr genau und werden das auch in unsere Arbeits einbeziehen.

00:22:42: Wenn ihr Lust habt und mehr hören wollt, dann abonniert diesen Podcast.

00:22:46: Denn dann hören wir uns schon bald wieder!

00:22:49: Ich freue mich drauf, macht gut, haltet die Ohren steif.

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