Guten Morgen, Hans Werner Henze!
Shownotes
Mit einer Badehose fing alles an: Axel Brüggemann erinnert sich in einer Sonderausgabe des BackstageClassical-Podcasts an eine ungewöhnliche Begegnung mit dem Komponisten Hans Werner Henze. Anlass ist der 100. Geburtstag des Musikers am 1. Juli. Das Treffen fand auf Henzes Anwesen im italienischen Marino bei Rom statt, gegenüber der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo. Brüggemann, damals noch am Beginn seiner journalistischen Laufbahn, wurde am Morgen seines Interviewtermins von einem Anruf geweckt. »Henze hier! Herr Brüggemann, haben Sie eine Badehose mit?«, habe der Komponist gefragt. Als Brüggemann verneinte, erklärte Henze ihm, dass man auch ohne Badebekleidung bei ihm schwimmen könne. Wenig später ließ er den Journalisten von einem Chauffeur abholen. Während des eintägigen Gesprächs hat Henze mit Sommerhut am Pool gesessen, während ihm sein Freund Fausto die Füße massierte. Das Feature basiert auf Originalaufnahmen dieser Begegnung und zeichnet ein vielschichtiges Porträt des Komponisten. Henze spricht darin über seine bewusst unkonventionelle Position in der Musikwelt. Den strengen Dogmen der Darmstädter Schule oder den ästhetischen Vorgaben in Donaueschingen habe er sich stets entzogen. Stattdessen betonte er seine »lebendige und permanente Beziehung zu der Kunst der vergangenen Jahrhunderte« und bekannte sich offen zu Vorbildern wie Mozart und Bach.
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00:00:02: Guten Morgen!
00:00:04: Die großen Themen der Klassik
00:00:05: für
00:00:05: den Weg zur Arbeit
00:00:07: mit Axel Brüggemann.
00:00:10: Einen wunderschönen Sommer, Sonnenfreitag.
00:00:13: Heute ist der neunzwanzigste Mai und bei Backstage Classical schauen wir heute einmal zurück in die Musikgeschichte.
00:00:20: History & Podcasts sind ja groß entkommen und ein bisschen Geschichte schwingt heute auch mit denn es geht um ein Interview das ich schon vor einigen Jahren geführt habe damals mit einem der größten lebenden Komponisten.
00:00:35: Das war er bis gestorben.
00:00:39: Die Rede ist von Hans Werner Hänze.
00:00:43: Am ersten Juli, zwei Tausend und sechsundzwanzig also am Ersten Juli dieses Jahres wäre er einhundert Jahre alt geworden.
00:00:52: vor einhundert Jahren ist der in Güterslo geboren worden und ist tatsächlich so etwas wie eine der wichtigsten deutschen Stimmen der neuen Musik geworden Eine Stimme, die außerhalb der Darmstädter Ferienkurse oder der strengen Schule von Donau Ashing stand.
00:01:12: Einer, der gesagt hat auch nach dem Nationalsozialismus kann man noch harmonische Musik komponieren – ausgerechnet jemand, der im Nationalsocialismus verfolgt wurde weil er eben schul war.
00:01:24: Hans Werner Hänze war immer unkonventionell und ich möchte euch kurz bevor wir das Gespräch bzw.
00:01:33: Hans Werner Hänzehörn erzählen, wie es zu unserem Gespräch kam.
00:01:37: Ich war damals noch ein relativ junger Journalist und wurde geschickt von der Zeitschrift Das Opernglas.
00:01:45: Hans Werner Hänze wohnte damals gegenüber vom Castello Gandolfo von der Ferienresidenz des Papstes bei Rom in Marino ebenfalls auf den Hügeln.
00:01:55: Und weil wir uns tagsüber treffen wollten, bin ich von Rom schon in ein Hotel gefahren wo ich abends geschlafen habe.
00:02:01: am nächsten Morgen klingelte das Telefon neben meinem Bett.
00:02:04: sich nahm ab und hörte Hänse hier!
00:02:08: Ich war noch gar nicht ganz wach und hab irgendwie geantwortet hallo Herr Hänsee.
00:02:13: und er hat gesagt Herr Brüggemann, haben Sie eine Badehose mit?
00:02:20: Du wusstest nicht was er wollte und habt natürlich gesagt ne also wir wollen ja ein Interview machen.
00:02:24: Ich habe keine Bade-Hose mit worauf er antwortete umso besser.
00:02:30: bei uns können sie auch ohne Bade Hose im Pool schwimmen.
00:02:35: Okay, ich stand irgendwie immer noch ein bisschen auf der Leitung und habe gedacht naja gut schauen wir uns den Hänzel mal an und hörte nur noch mein Fahrer wird sie in einer halben Stunde im Hotel abholen.
00:02:48: Und tatsächlich kam dann ein Fahrer in einem Oldtimer mit weißem Handschuhen und fuhr mich auf das Anwesen Von Hans Werner Henze, der begrüßte mich mit Sommerhut und ließ sich dann während des ganzen Gespräches von Fausto seinem Freund die Füße massieren.
00:03:07: Und erzählte die ganze Zeit – Fausto ist ja nicht schön dieser junge Herr Bröckemann!
00:03:14: Und ich weiß nicht, man kann das heute irgendwie cringe und strange und komisch finden.
00:03:19: Aber es hatte überhaupt nichts für mich übergriffiges sondern es war eher ein Amusement.
00:03:24: so haben wir uns dann zwei drei Stunden unterhalten bis Hans Werner Hänze Mittagspause machen wollte und ein Tupäpe trinken wollte.
00:03:32: Und gesagt hat, jetzt können sie gerne in mein Swimmingpool Herr Brögemann.
00:03:37: Ja ja, Sie wollen ja nur gucken und so?
00:03:39: Natürlich werde ich den einen oder anderen Blick erhaschen, hat er dann gesagt!
00:03:44: Ich bin glaube nicht schwimmen gegangen wie ich mich erinnere.
00:03:48: wir haben danach das Interview fortgesetzt und noch Batman im Garten gespielt.
00:03:54: Wie auch immer... Ich finde, es war ein legendäres Gespräch und aus diesem Gespräch habe ich alle O-Töne von Hans Werner Henze zusammengeschnitten.
00:04:04: Und ich glaube sie geben da einen relativ guten Eindruck über das Leben, über die Zwänge von Herrn Zwerner Hänze.
00:04:13: Über seine Art der Erotik, seine Geschichten wie er Ingeborg Bachmann heiraten wollte kurz vor der Hochzeit dann aber doch nicht hingefahren ist weil er gemerkt hat Mensch das kann nicht gehen über seine Qual dass die intellektuelle Komponistenelite nach dem Krieg seine Musik nicht akzeptiert hat, aber auch über seinen späten Triumph und natürlich hatte er auch über sein Tod geredet.
00:04:39: All das hört ihr jetzt in einer Jubiläumsausgabe zum einhundertsten Geburtstag von Hans Werner Henze.
00:04:46: Wir haben ein wirklich großartiges Gespräch gehabt mit vielen Pausen zu nachdenken Aber angefangen hat es mit Krach!
00:04:55: Mit einem Flugzeug Das über uns Kreiste.
00:05:04: Ich störe das Ungeheul, ich kann kaum denken mit dieser Namen.
00:05:14: Ruhe!
00:05:53: Vor vierzehn Tagen hatten wir hier ein großes Fest wo alle meine ehemaligen gekommen sind und kleine Stücke mitgebracht haben als Geburtstagsgeschehen sozusagen.
00:06:04: Da war eine Atmosphäre von Begabtheit ganz beneltenzwert.
00:06:13: geschafft haben sollte in meiner Leertätigkeit, die jetzt ziemlich lange war den jungen Kollegen die Unabhängigkeit einzureden.
00:06:26: Also ich gehöre nicht zu den Kreuzen, die es gerne haben wenn die jungen Autoren bei mir abschreiben und denken damit ist es dann ganz... Damit sind alle Verpflichtung der Kunstkriegen über erfüllt.
00:06:41: Ganz im Gegenteil!
00:06:48: Einpacken Bules, Nonos, Stockhausen.
00:06:51: Das ist eine strenne.
00:06:54: Gegner nicht nur der Opern des Musiktheaters und das konnte ich nur Albern finden, tu' ich heute noch.
00:07:02: Und dann gibt einen Satz von allen Kollegen den es noch gibt, der noch nicht gestorben ist.
00:07:10: Der hat einmal gesagt über Nono Der Gigi da is verdächtig!
00:07:15: Der wird nochmal ne Oper schreiben.
00:07:17: So dass war so das Schlimmste.
00:07:19: Ich hatte bereits zwei, jedenfalls eine hatte ich schon geschrieben.
00:07:23: Wenn man da Verdächtigkeit mal nur weiter... Na ja!
00:07:35: Ich habe mein Leben lang immer eine Gegenposition gehalten.
00:07:41: Das brauchte ich gar nicht zu suchen, die hatte ich dann schon.
00:07:44: Dass irgendwann der Widerstand, also nicht meinen Widerstand, die Ablehnung meiner Kunst aufhören würde.
00:07:54: Nicht deswegen weil plötzlich künstlerisch besser geworden sind, sondern weil es da eine Konstante gibt.
00:08:02: Und die, das konnte man glaube ich zusammenfassen hat das zu tun mit dieser lebendigen und permanenten Beziehung zur Kunst der vergangenen Jahrhunderte.
00:08:14: Ich habe ein paar Kollegen aus anderen Branchen zum Beispiel Francis Bacon Der kopierte auch noch.
00:08:21: als älterer Herr, setzt er sich hin und kopiert Velasquez Nicht um eine Velasquez-Kopie zu verkaufen, sondern man musste üben auch Picasso.
00:08:33: Das ganze klassisistische Zeichnen von Picasso sind Übungen und Übung kann man nur machen anhand meisterschaft also anhand von Meistern die einem Vorbild dienen können.
00:08:47: Und ich habe ein paar Vorbilder so, die sich sehen und hören lassen können.
00:08:53: Ein großer Mozartfan Ja, das finden ja auch manche Leute albern, dass ich Mozart so schön finde.
00:09:02: Die einigste und unschönsten Stücke der Musik sind die Eingangs- und Schlussköhre der Matthäus Passion, wo es sich um Kursifikationen und um Leiden nur leiden und tränen.
00:09:15: Auch am Schluss.
00:09:17: wir setzen uns mit Tränen nieder aber die Musik ist von einer unglaublichen Schönheit.
00:09:23: Na, nicht unglaublich.
00:09:24: Sie ist da von einer sehr großen Schönheit, die gleichzeitig eine geglückte Darstellung von Schmerz ist.
00:09:32: Seelischer Schmelz aber sehr schön!
00:09:35: Wir setzen uns nie drinnen und nie durch.
00:09:43: Dorti, dodi... Mir hat man eine Ziegleunerin auf der Straße in Paris gesagt, da war ich noch ganz jung Da wird Coupé mon fils.
00:09:57: Was er damit meinte, hat sie mir nicht sagen wollen.
00:10:02: Dein Leben ist zerschnitten und seitdem versuche ich herauszufinden an welcher Stelle es zersnitten ist.
00:10:12: Neulich war ich in London mit recht sehr gerühmten Aufführungen von Boulevard Solitude was gegen meinen Willen dort gegeben wurde.
00:10:28: Inzwischen gibt's schon wieder mehrere Nachspielhäuser.
00:10:33: Das ist ein Kinderstück!
00:10:35: Da konnte ich noch gar nicht richtig schreiben.
00:10:38: Man hat mich richtig hinschleppen müssen, aber dann hat dieser Dirigent Kontarski irgendwas gefunden in der Partitur was ihm wichtig schien.
00:10:51: Er findet es ist mein erstes Meisterwerk.
00:10:53: Ich wusste noch gar nichts dass ich überhaupt Meisterwerke geschrieben habe und das klang so gut.
00:10:59: Es wurde sehr gut gesungen Und es wurde sehr gut im Orchester musizär und plötzlich dachte ich, dunne Lüdel.
00:11:09: Da ist halt kein Bruch!
00:11:11: Vielleicht heilt die Zeit die bruchartigen Wunden oder die vibröche aussehenden Wunden?
00:11:19: Die Leute spielen das besser, können's besser dirigieren und so... Also ich bin eigentlich recht vor- und glücklich geworden durch diese Aufführung.
00:11:41: Also im Falle von Boulevard Solitude, das habe ich ja in der Nachkriegszeit geschrieben als es kein Papier gab und keine oder kaum Bücher.
00:11:49: Aber den Roman beispielsweise vom Prévost dann habe ich Jahre später erst gelesen und da gab's die Oper schon.
00:11:57: Und dann hab' ich meinen Freunden, wir wollten das aus... Es war ja mehr so aus Zeitvertrag, dass man hat Das klingt so schön, aber mir wusste ich wirklich nicht.
00:12:15: Ich wusste, dass Buccini einer hatte und Masseille.
00:12:20: Aber das kenne ich alles nicht!
00:12:22: Es war nur der Name in diesem Falle – die Attraktion.
00:12:26: Da ist schon ein paar Fonds drinnen.
00:12:30: Schmerzengroße und kleine Anolesco... Und meine liebe Greta Weil, die eigentlich Prosa schrieb.
00:12:42: Die hat dieses Librepto haben wir zusammengemacht, die Emaan und sie und ich.
00:12:48: Und hat ja auch eine Ironie und eine Komik diese Szene mit dem Bild zum Beispiel, das glaube ich die vorletzte oder letzte, ne Vorletzte.
00:13:01: dann auch ein bisschen eine Parodie auf die nicht auf die moderne normale Reise sondern auch die Leute die damit handeln oder sich das an die Wand hängen... ...und die Falschheiten die da drin sind in dem Stück einfach schlechtes Benehmen sozusagen von mir gegenüber der großen Musik.
00:13:33: Ich habe auch keinen richtigen Bruch mit Darmstadt gemacht, ich bin einfach nicht mehr hingegangen.
00:13:39: Ich hatte keine Zeit mehr.
00:13:41: Bin nach Italien gezogen.
00:13:43: Viele Uraufführungen von mir, nicht viele aber eine gewisse Anzahl von Uraführung von mir hab' ich gar nicht besuchen können weil es nicht genug Geld hat um die Eisenbahn zu bezahlen von hier nach Bremen oder nach Hamburg.
00:13:55: oder so zum Beispiel symphonische Ätyden das Richtig gut dirigiert.
00:14:02: Erst vor ein paar Wochen zum ersten Mal gehört und mein erstes Klavierkonzert, das habe ich überhaupt noch nie gehört.
00:14:09: Manche von diesen Stücken wurden gespielt aber ich konnte nicht hinfahren.
00:14:15: Ich hatte mich auch nicht so interessiert weil ich schon wusste was die Leute dann sagen Frau Dr.
00:14:21: Steineppe und wie sie alle hießen.
00:14:24: Was waren furchtbare Leute?
00:14:25: Das kommt doch dazu.
00:14:27: Aber heute würde man sowas nicht mehr tolerieren.
00:14:30: Wo ist der Medusa?
00:14:31: Ja, das war schlimm.
00:14:32: Auch die Nicht-Solidarität der Hamburger Musiker.
00:14:35: Jetzt spreche ich nicht vom Archester... ...aber von den Abteilungsleitern im norddeutschen Rundfunk.
00:14:41: Das war schlimm!
00:14:43: Da konnten sie sich wirklich vereinsamt vorkommen.
00:14:47: Keiner wollte mit diskutieren und wollte mit denen auch wiederum nicht.
00:14:52: Weil das politische Prisma nicht genau stimmte.
00:14:57: Aber ich war ja richtig mal so eine Art von Von Prügelknaben, ne?
00:15:01: Schrecklich.
00:15:03: Schrecklig gesagt!
00:15:05: Der Abteilungsleiter Herr... zum Beispiel gab eine Pressekonferenz am nächsten Tag nach diesem Skandal zu der ich gar nicht eingeladen war.
00:15:18: Spielte der Presse glaube ich das Tonband der Generalprobe vor und sagte profetisch Hänze ist für die deutsche Musik für die nächsten zehn Jahre erledigt.
00:15:30: Und so was konnte gesagt werden, nicht als Vermutung.
00:15:34: Ich hätte sagen können ich könnte passieren oder ich könnte mir denken oder einfach ein Dekret!
00:15:45: Diese grauenvollen Geschichten im Spiegel.
00:15:47: Ein
00:15:47: Kollege.
00:15:48: Komponierender Kollege Es gibt ihn auch kaum noch.
00:15:52: da wird dort gar nicht mehr gespielt.
00:15:53: denn ist das sein Technik wieder?
00:15:56: Ein Deutscher glaube ich oder ist er Holländer?
00:16:00: und Herr Max Liebermann oder wie der heißt dieser Komponent?
00:16:04: Der hat sich auch mit einer Ruchlosigkeit verhalten.
00:16:08: Ich war wirklich weg!
00:16:10: Sie hatten nun jemand, von dem sie von morgens bis abends schlecht sprechen kommen.
00:16:16: Die behaupteten zum Beispiel, dass ich in eine halbe Stunde drei Goloises geraubt habe.
00:16:20: Und ich habe dann gedacht also wenn es nun schon so aussieht als ob ich ein richtiger Linker bin, dann will ich das aber auch sein.
00:16:28: Marxistische Theorie... Und bin in die kommunistische Partei Italiens eingetreten und habe dort gearbeitet.
00:16:36: Dann war ich ziemlich lange im Kuba, um zu lernen immer wie das ist, was ist revolutionäre Musik?
00:16:57: er orientiert an New York, John Cage.
00:17:05: Ja und wenn zum Beispiel wenn irgendwas Neues eröffnet wurde ein neues Wasserwerk oder einen Flugplatz oder ein Dorf Und Fidel kam um zu reden was ja bekanntlich immer sehr lange dauert dann wurde ihm nicht Leo Brauer sondern Juan Blanco wurde bestellt und der musiker Revolutionario machen Und das war Elektronik, aber so sehr pompöse.
00:17:38: Einfach einen hohen Blank und da gibt es ja ein richtiges Rokabular.
00:17:48: Ich habe immer gedacht und auch gesagt dass im Sozialismus die Musik eine ganz präzise Aufgabe hat.
00:17:58: Sensibilisierung der Menschen, der menschlichen Seele Das ist nach wie vor auch noch eine Aufgabe Eine ungelöste Ja und nein.
00:18:09: Es ist viel unternommen worden, um die Beziehung zwischen den Menschen und der Musik zu verbessern.
00:18:15: Die Musik muss vor allen Dingen mit einer gewissen Bescheidenheit
00:18:19: auftreten.
00:18:21: Also wenn die Musik öffnet mit dem Anspruch jetzt komme ich Und alles wird anders und neu und... ...und die Welt wird verändert durch die zwölf Töne oder so.
00:18:34: Das ist ja nun wirklich quickluckwackel.
00:18:38: Ich glaube auch, dass der Komposer oder jeder kreative Kunstler auch andere Menschen die sich mit Kunst beschäftigen immer wieder daran denken sollten das sie bestellt sind vom Volk zu lehren und die Welt lehrenderweise zu verbessern.
00:19:04: Mit Liebe!
00:19:06: Ja es kommt auf dem Künstler.
00:19:08: überhaupt glaub ich wenn einer ist, darauf an eine Wirklichkeit herzustellen.
00:19:16: Eine andere Wirklichkeit.
00:19:19: Nicht eine Alternative sondern einfach es so abrücken von den schon existierenden Werken das es genug Luft hat um seine eigenen Möglichkeiten in einen Ausdruckswillen zu entfalten.
00:19:40: Bei mir sind es ja doch eigentlich an erster Stelle Fragen der musikalischen Form.
00:19:48: Musikalische Formen, die man herstellen
00:19:51: muss oder
00:19:53: abrufen aus der Tradition um sie als Vermittler dem Hörer auch den Instrumentalisten plausibel zu machen.
00:20:06: und ich dachte jetzt gerade Prinz von Hamburg zum Beispiel das ist ungefähr das letzte Stück von mir was ich gehört habe Da ging es mir darum, Barockmusik aus der Humbruckszeit, gleich sette er aber auch frühe romantische Musikmusik auf der kleistischen Zeit umzuwandeln.
00:20:28: Etwas das einem persönlichen Stil zeigt und einen persönlichen Ausdruck setzt und durchsetzt.
00:20:41: Da gibt es da Fugen und Doppelfugung so lauter Dinge die eigentlich in der Oper nicht unbedingt erforderlich sind.
00:20:52: Naja, als Modell könnte man sagen Wozak, ne?
00:20:55: Das ist aber ein besseres Stück und hat... Und der Umgang mit den alten Formen ist bei Albernberg glaube ich russüggiger und kreativer als bei mir.
00:21:11: Ich bleibe so'n bisschen auf der Schreibtischplatte kleben!
00:21:18: Ich meine, ich hätte immer schon mal gern gelebt, so wie ich heute lebe Aber es ist ein bisschen spät, ne?
00:21:24: Ich meine zum Beispiel so zu wohnen wie ich jetzt wohne.
00:21:28: Das hat ja auch ein ganzes Leben mit dir das zu ermöglichen nicht im Hotel sondern at home.
00:21:37: und das ist dann das Resultat meiner Bemühungen um das lyrische Theater.
00:21:44: Ich möchte immer ganz gern dass mein Vater erst mal um die Ecke kommt und sieht hier wohnt mein Sohn.
00:21:51: Also da doch nichts Kaffeegeiger in im Bielefeld geworden.
00:21:56: Ich glaube, der hat eine Macke.
00:21:59: Heute würde ich ihm das ja sagen können!
00:22:03: Wenn es ihn noch gebe dann möchtet er es ihnen noch gäbe.
00:22:07: Hätte ich machen sollen?
00:22:08: vielleicht ne?
00:22:09: Aber auf die Idee kam man so als Sohn nicht zu leicht.
00:22:12: Er wollte mich auch in einer SS-Schule schicken.
00:22:16: SS Himmler.
00:22:18: Weil mein Musiklehrer im Gymnasium das herausgekriegt hat und hat einen Brief am Entwarte geschrieben In dem Stand, dass er im Begriff ist den jungen Mozart in den Turz zu schicken.
00:22:31: Er war auch kein glücklicher Mensch glaube ich.
00:22:32: deswegen hat er immer gebungst und sechs Kinder erzeugt um das Glück zu steigern.
00:22:40: Aber einige Geschwister die waren noch nie hier werden noch nie nie hier sein.
00:22:45: Mir das war dann nach dem nach dem Krieg.
00:22:48: da wusste man zwar nicht ob er nochmal zurück kommt oder nicht.
00:22:52: Dann gab es die Lebensmittelkarten Und ich glaube ich habe jemand ins Haus gebracht Und er hatte keine Lebensmittel.
00:23:01: Die Geschwister weigerten sich von ihrem Lebensmittelkarte ein Stückchen, damit er ein Stück Brot bekommen könnte oder ein bisschen Schmalz oder so was.
00:23:15: Das ist eine Sache, die mich am meisten verletzt hat dieser Mangel an Solidarität und Verständnis.
00:23:23: Naja ich kenne ein paar Leute aus der Generation Kameraden oder Kollegen, die mit ihren Eltern sehr gut standen.
00:23:37: Und manchmal ging ich zu denen ins Haus für ein paar Stunden um das Gefühl von Sicherheit und Zutrauen und Vertrauen zu empfinden.
00:23:50: Doch die Musik war damals für mich ein erreichbares Paradies.
00:23:55: Ein Versprechen nicht?
00:23:58: Ein Liebesversprechen, das die Welt einem in den Schoß legte.
00:24:12: Ich bin hier alt genug um mich zu erinnern welche Werke auf den Reichsparteitagen in Nürnberg gespielt wurden höre ich heute noch.
00:24:18: Seitdem hasse ich Märsche.
00:24:32: Der Refrain weiß ich auch noch.
00:24:42: Und dann kam unser Führer und alle meine Verwandten und entfernteren rissen die Arme in die Luft und schrehen heil für jemanden, der das Unheil darstellte.
00:24:55: Das kann man sich kaum vorstellen heute!
00:25:02: Wenn an dieses un... diese permanente Klatsch Selbst seriösere Leute wie Herr Dahlhaus hatte sich nicht entblödet hier einmal zum Essen zu kommen und dann mich.
00:25:13: darüber durfte ich so machen, dass ich Dienerschaft habe die weiße Handschuhe trägt beim Servieren.
00:25:19: Wie das Landesübliche ist im bürgerlicheren Haushalten aber auch in noch unbürgerlicheren Haushaltungen oder diese hier.
00:25:28: Im Hause Visconti hat man da konnte man wirklich eleganz lernen und es war ein hoch angesehener Funktionär der kommunistischen Partei.
00:25:38: Das verstehen viele Leute nicht so.
00:25:41: Viele denken ja Kommunisten, die müssten zur Strafe sozusagen Scheiße fressen und in Lumpen rumlaufen.
00:25:50: Möchtest ohne Schuhrwerk auch im Winter.
00:25:53: Das ist so das Lieblingsgedanke.
00:25:56: Was ist dekadent?
00:25:59: Wenn sie Angestellte haben, die sehr viel arbeiten, dann sind die Hände nie so ganz... außerdem sieht es oft noch recht gut aus!
00:26:08: Über mich sind schon die tollsten Sachen erzählt worden.
00:26:11: Da kriegt man bei einer Burg darauf, tatsächlich solche Sachen zu machen.
00:26:14: Aber ich gebe hier Orgien manchmal wo das Haupttor aufgemacht wird und dann stehen links und rechts von der Auffahrtsstrafe, die es auch nicht gibt nackte schwarze Fackelträger.
00:26:26: Das ist schon lange her, zwanzig Jahre oder noch mehr in den Tagen der übelsten Nachrede.
00:26:31: Wie geht das zusammen?
00:26:32: Ein Kommunist der schwule Orgieren mit Negern macht.
00:26:37: die Einfreiheit des Denkens überrascht.
00:26:40: Schwul sein, das war vom halben Jahrhundert auch noch nicht so leicht wie jetzt wo man heiraten kann.
00:26:46: Heute Morgen hat Faust im Radio gehört, Juliani der ehemalige OB von New York geht jetzt in Frauenkleidern.
00:26:57: Wacht mal!
00:26:57: Das war keine Spießerin, keine petite bourgeoisie.
00:27:00: Das war eine große Dame von innen her.
00:27:03: es gibt's ja auch.
00:27:04: Man muss nicht immer unbedingt vom reichen Leuten abzustammen, um Größe zu haben.
00:27:11: Unser Sense of humor hatte Ähnlichkeiten miteinander.
00:27:16: Wir lachten über die gleichen Sachen.
00:27:18: Max Frisch das war ein Arschloch, ne?
00:27:20: Ja ja, feuchbare Kerl weil er sich so ungeheuer gemeint für ihr benommen hat.
00:27:26: Herr Beaumont, ein Fex wie man im Zorto-Chen gesagt hat, wie du.
00:27:30: ähnlich ein Unfest so mit zwei S Und er verstand so wenig von Musik wie sie und ich.
00:27:36: Er tat immer so.
00:27:38: Und er konnte auch so rumgehen als unangetasteter Meisterkenner, weil alle anderen wussten weniger.
00:27:46: Er hat sich selber begleitet... ...und es klang wirklich so wie Webern oder einer aus der Ecke, aus der Schule.
00:27:54: Ich höre heute noch diesen schrecklichen Gesangston.
00:27:59: Also was so erstaunlich war Niemand Widerspruch gewagt hat.
00:28:05: Aber ich meine, wenn Adorno mich mit Hegel wiederlegen konnte, Myrilos, dann hätte ich nicht mehr gewusst was zu tun.
00:28:14: Weil ich doch so ungebildet bin.
00:28:17: Ungeschult!
00:28:18: Unser eins musste eben statt die Phänomen... Phänomälen... Mussten wir ja Kontrapunkt und Harmonie lernen.
00:28:28: Ja, das war's ziemlich zeitraubend.
00:28:31: Und vielleicht gibt es ja auch in diesen Wissenschaften, das sind ja Wissenschaften eigentlich wenn sie ernsthaft betrieben werden Phänomenologische Erscheinungsformen die den Erkenntnissen der Philosophie und des geistigen Lebens ihm nichts nachstellen.
00:28:50: Das kommt dann schon vor dass man von Tag lang im Elend verbringt Und da gibt es nöchter, dann vielleicht ein Gläschen T.O.
00:29:00: Pepe oder gegen Abend einen Scotch und man versucht etwas Schönes lesen zu finden.
00:29:06: aber drinnen ist es traurig weil da ist nichts.
00:29:10: und wo ist das hin?
00:29:14: La Morte!
00:29:17: Mir wäre es unangenehm in einem Autounfall zerquetscht zu werden.
00:29:21: mir wäre sehr angenehm mit einer Pille oder einer Injection einfach dahin zu gehen.
00:29:41: Das war ja der Podcast von Backstage Classical.
00:29:45: Für tägliche News aus der Welt der klassischen Musik.
00:29:47: schaut doch einfach bei uns vorbei auf www.backstageclassical.com und wenn ihr Kommentare, Anregungen, Ideen oder auch Beschwerden habt dann schreibt uns doch einfach unter redaktion at backstageclassical .
00:30:02: Wir lesen das natürlich sehr genau und werden das auch in unsere Arbeit einbeziehen.
00:30:08: Wenn ihr Lust habt und mehr hören wollt, dann abonniert diesen Podcast denn dann hören wir uns schon bald wieder!
00:30:15: Ich freue mich drauf, macht's gut haltet die Onsteif.
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