Guten Morgen, Oper der Zukunft!

Shownotes

Die deutsche Opernlandschaft ringt nach neuen Modellen für die Zukunft. Während einige Häuser Rekordauslastungen melden, kämpfen andere mit maroder Bausubstanz, schrumpfenden Budgets und Legitimationskrisen. Führende Intendanten wie Viktor Schoner, Tobias Kratzer, Matthias Schulz oder Serge Dorny und Stefan Herheim debattieren im Podcast von BackstageClassical die Neuausrichtung des Genres – weg von der Von der »Bedeutungsbesoffenheit« hin zu mehr gesellschaftlicher Relevanz. Die Bayerische Staatsoper in München verzeichnet unter Serge Dorny eine Auslastung von 99 Prozent. Im Kontrast dazu zwingen leere Stadtkassen in Berlin und Leipzig zu Einschnitten. Tarifsteigerungen und explodierende Energiekosten verschärfen die Lage und werfen die Frage auf, wozu die Gesellschaft in digitalen Krisenzeiten noch opulente Opernmaschinerien brauche. Matthias Schulz, ehemals Intendant der Berliner Staatsoper, nun am Opernhaus Zürich, denkt, dass alte Selbstverständlichkeiten vorbei sind. »Die Budgets der Häuser stehen sehr unter Druck«, sagte er, man müsse »sehr handfest erklären, warum es uns braucht« und dürfe nicht »bedeutungsbesoffen« agieren. Während in Berlin grundsätzlich debattiert würde, herrsche in Zürich noch ein »extrem hoher Konsens« über kulturelle Ankerpunkte. Milliardengrab oder Standortfaktor?Viele Nachkriegsbauten zerfallen; in Stuttgart wird die Sanierung auf zwei Milliarden Euro kalkuliert. Intendant Viktor Schoner verteidigt das: »Über Schloss Neuschwanstein diskutiert ja auch keiner, ob man das renovieren oder erhalten soll.« Die Oper sei ein Standortfaktor für Talente bei Bosch, Mercedes oder Allianz und ein »Identifikationsort in der Downtown-Situation einer bürgerlichen Stadt«. Vom „Krawalltheater“ zur UmarmungTobias Kratzer, Intendant der Hamburgischen Staatsoper, denkt Oper ganzheitlich – von Garderobe bis Pausensnack. »In dem Moment, wo ich jetzt vom Regisseur zum Intendanten gewechselt bin, denke ich diese Aspekte adäquat mit«, sagte er. »Die Zeiten des Krawalls um des Krawalls willen sind vorbei«; das Publikum suche »Umarmung, Trost und das Menschliche«. Schoner betont Provokantes wie Sancta von Florentina Holzinger: »Wir müssen raus aus unserer Bubble und gleichzeitig für Qualität und […] L’art pour l’art kämpfen«. Strukturelle FesselnStefan Herheim am Theater an der Wien kritisiert starre Abläufe: Das System ersticke die Kunst. Er fordert Leidenschaft und künstlerisches Handeln sowie eine »größere demokratische Idee für Oper als gemeinsames Projekt«. Nachwuchs und MarketingAviel Cahn, designierter Intendant der Deutschen Oper Berlin, sieht Bildungspflichten: »Früher gab es Lehrer und Schulen, die das von selber konnten. Heute müssen wir das für die Schulen machen.« Mehr Marketing sei nötig: »Man muss auch viel mehr ins Marketing investieren, in die Kommunikation als früher.« ZukunftsvisionSerge Dorny und Schulz setzen auf Ensembles mit Stars wie Jonas Kaufmann als Identifikationsfiguren. Die Häuser müssen sich als regionale Diskussionsorte behaupten. Der Vorhang zur Zukunft der Oper sei erst aufgegangen, hieß es.

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